Dresden wieder so nazifrei wie vorher
Die meisten Nazis haben enttäuscht den Bahnhof verlassen. Auch die Gegendemonstranten haben, nachdem sie ihren Erfolg gefeiert gefeiert haben, Feierabend gemacht.
22.13 Uhr: Feierabend
Hauptbahnhof. Bunt und friedlich - das sind die Vokabeln, die für diesen Tag stehen. Mit verschiedenen Protestaktionen haben tausende Dresdnerinnen und Dresdner, aber auch Demonstranten aus anderen Bundesländern heute gegen Rechtsextremismus und Rassismus demonstriert – und dabei auch der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht.
Nachdem es im letzten Jahr Ausschreitungen gekommen war, blieb es heute bis zum Abend in Dresden friedlich. Nach Angaben der Stadt beteiligten sich am Nachmittag über 13.000 Menschen an einer Menschenkette in der Innenstadt. Tausende Menschen blockierten am Abend zwei Kreuzungen im Aufmarschgebiet der rund 2.000 Neonazis und sorgten so dafür, dass deren Aufmarschroute wesentlich verkürzt werden musste. Die Nazis reagierten gereizt, ein Teil von ihnen antwortete mit einem Stehstreik auf die Verkürzung der Demonstrationsroute. Ein Großaufgebot von 5.800 Polizisten hatte zuvor die Stadt abgesichert – und mit einem auf Deeskalation ausgerichteten Einsatzkonzept dafür gesorgt, dass die Lage ruhig blieb.
Am Hauptbahnhof stehen noch rund zwanzig Neonazis und warten auf ihren Zug. Zwanzig Neonazis am Dresdner Hauptbahnhof – das ist hier kein ungewöhnliches Bild. Die taz beendet den Live-Ticker und sagt: Gute Nacht. Dresden ist wieder so nazifrei wie vorher.
Das war der Tag im taz-ticker:
http://taz.de/+-+-+-Ticker-Neonazi-Aufmarsch-Teil-II-+-+-+/!87579/
Überblick. Die "Friedensandacht" in der Frauenkirche ist der erste große Termin, mit dem heute in Sachsens Landeshauptstadt an die Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht werden soll - und an die Opfer jener Bombennacht am 13. Februar 1945, als ein großer Teil der Dresdner Innenstadt von alliierten Bombern zerstört wurde. Mit zahlreichen Veranstaltungen wollen Kirchengemeinden, Parteien, Gewerkschaftsgruppen, die Stadt und zahlreiche linke Gruppen heute auf ihre Weise mit diesem Datum umgehen, das in der Stadtgeschichte schon immer für Spannungen sorgte.
Mit einem geschichtspolitischen "Täterrundgang" will das Bündnis "Dresden Nazifrei" ab 13 Uhr an Orte erinnern, an denen Nazis in der Zeit des Dritten Reiches aktiv waren. Nachdem die Stadt den Rundgang im vergangenen Jahr noch verboten hat, darf der Mahngang in diesem Jahr stattfinden. Um 15 Uhr findet auf dem Dresdner Heidefriedhof das offizielle Gedenken der Stadt und der Landes statt - hier hatte auch die NPD im letzten Jahr einen Kranz zum Gedenken an die deutschen Opfer niedergelegt. In diesem Jahr wurde das Protokoll geändert - in der Hoffnung, dass die Rechtsextremen der Veranstaltung fern bleiben.
Mit einer großen Menschenkette soll dann ab 17 Uhr in der Innenstadt ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden. Hier erwartet die Stadt weit über 10.000 Menschen. Tausende wollen im Anschluss gemeinsam mit dem Bündnis "Dresden Nazifrei", einem Zusammenschluss aus Parteien, Gewerkschaften und linken Gruppen, den für 18 Uhr angekündigten Neonaziaufmarsch blockieren.
Das hatte im letzten Jahr für Zwist gesorgt. Es kam zu brennenden Barrikaden und oft friedlichen, teils schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Nach dem Bekanntwerden einer massenhaften Handydatenauswertung von Demonstranten war der Polizeieinsatz auch im Nachhinein noch in die Kritik geraten.
In diesem Jahr sichert die Polizei mit 4.500 Beamten das Stadtgebiet. Wie der umkämpfte Gedenktag in Dresden in diesem Jahr aussehen wird, wird die taz über den gesamten Tag im taz-Live-Ticker berichten. (taz)
Hier geht es zum taz-Liveticker:
http://www.taz.de/+-+-+-Liveticker-Neonazi-Aufmarsch-+-+-+/!87579/




