Endspurt - Letzter Tag der Konferenz.
Endspurt
Letzter Tag der Konferenz. Gestern abend wurden die zum Grossteil schon im Vorfeld verhandelten ‘Resultate' der vielen Workshops vorgestellt. Es gab viele hehre Worte: die Arbeitsgruppe ‚gemeinsame Visionen' sprach viel vom ‚buen vivir', vom ‚guten Leben' fuer alle. Es gab einige Erfolge der Bewegungen: in der Arbeitsgruppe zu ‚Waeldern' konnten indigene Gruppen und ihre NGO-Verbuendeten den Versuch der bolivianischen Regierung abwehren, das so genannte REDD-Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation - mit anderen Worten, ich geb' dir Geld, damit du ein Stueck Wald nicht abholzt, und kann dafuer weiter Kohle abfeuern) bewegungspolitisch hoffaehig zu machen. Und es gab offene Konflikte: die KleinbaeuerInnenbewegung La Via Campesina und ihr Verbuendeten versuchten ebenfalls, das Resultat einer Arbeitsgruppe zu aendern - diejenige fuer ‚Aktionsstrategien' schlug die Kreation einer Art neuer Internationalen von Oben vor, die Bewegungen lehnten dies ab - aber hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Natuerlich: abgesehen von diesen Konflikten gab es aeusserst viele Gemeinsamkeiten, aber die Konflikte sind nun mal das Spannende, denn die langfristig interessante Frage, die Cochabamba aufwirft, ist ja genau die nach dem Verhaeltnis zwischen Bewegungen, und Institutionen wie z.B. den progressiven Regierungen Lateinamerikas.
Dazu ein Einschub, den ich mir nicht verkneifen kann: auf seiner grossen Rede am Dienstag hat Evo Morales allen Ernstes angedeutet, dass der Konsum von genetisch manipulierten Huehnchen Maenner schwul macht. In Berlin wuerde er fuer derartig groben homophoben Mist mit Fug und Recht aus jeder linken Bar geworfen. Hier ist er der linke Praesident, der den Bewegungen wohl am naechsten steht. Muss ich so etwas als Gringo in Lateinamerika tolerieren? Wohl kaum. Gluecklicherweise waren alle, mit denen ich darueber sprach (und andere: die bolivianische Presse zum Beispiel) extrem peinlich beruehrt. Man kann sich seine Freunde wohl nicht aussuchen...
Soviel dazu. Heute bleibt der Blog kurz, in ein paar Stunden halten wir von Climate Justice Action unseren grossen Mobilisierungsworkshop fuer den Aktionstag, den ich gestern schon erwaehnte. Spannend hier: nach Tagen des Wartens auf jenen Bewegungskick, auf die Resonanz, die erzeugt wird, wenn ploetzlich etwas inspirierendes am Horizont erscheint, verwandelte sich die Mobilisierung von CJA fuer einen Aktionstag in eine gross angelegte Mobilisierung mehrerer wichtiger Bewegungsakteuere (wieder Via Campesina, aber auch das eher anarchistische Netzwerk Rising Tide, Jubilee South, eventuell 350.org, und viele andere) fuer eine globale Aktionswoche fuer Klimagerechtigkeit vom 10. bis zum 16. Oktober. Es fuehlte sich fast mal wieder so an, als waere man Teil einer globalen Bewegung...
Tadzio Mueller, Cochabamba, 22/4/10





Zu Evo Morales angeblicher homophober Äußerung siehe diesen Artikel samt Originalzitat: http://www.attac.org/de/groups/cochabamba/der-alternative-klimagipfel-cochabamba-endet-%E2%80%93-vorerst
Evo Morales kann man doch in seinen Äußerungen gar nicht mehr ernst nehmen, der will doch nur provozieren.