zeo2 antworten - der Leserstandpunkt zu den Kampfradlern

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Der Übergang in eine ökologische und nachhaltige Gesellschaft verlangt Antworten. Wir möchten einen lebhaften und kritischen Dialog fördern

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Einen Leserstandpunkt formulieren - Interessierte einladen - eine Auswahl ihrer Antworten wollen wir im kommenden Heft veröffentlichen

Thema Fahrradfahren

Die Bundesregierung hat das "Radklima" in deutschen Städten untersucht. Resultat: "Überwiegend heiter".

 

Unsere Fragen:

Was ist eure Erfahrung: Wird das Verhältnis zwischen Radfahrern, Autofahrern und Fußgänger besser? Oder bleibt es bei "Kampfradlern" gegen "Fahrradfressern"?

 

Ihre Antwort >> stellen sie bitte hier als Kommentar ein. Eine Auswahl der Antworten werden wir im kommenden Heft unter den Leserstandpunkten veröffentlichen.

 

Themenkategorien:

Verkehr / Stadtentwicklung
29 Kommentare
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Kommentar von Daniel
07.02.2013, 15:09 Uhr

Erst kritisiert Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer Radfahrer als Kampfradler, auch wenn er sich zugute hält, nur zitiert zu haben, und jetzt spricht der Präsident des Verkehrsgerichtstages Kay Nehm von Rüpelradlern, die sich nicht an Verkehrsregeln hielten.
Zunächst einmal muss die Sippenhaft verurteilt werden, in die zumindest Kay Nehm die Radfahrer nimmt. Denn der Anteil der Radler, der rote Ampeln missachtet oder regelmäßig auf der falschen Straßenseite fährt, liegt im einstelligen Prozentbereich. Kein Grund also DIE Radfahrer in eine Schublade zu stecken.

Das Problem der immer schärfer werdenden Debatte liegt nämlich ganz woanders. Es findet ein Lagerkampf statt. Autofahrer gegen Radfahrer, eine asymmetrische Konkurrenzsituation, die jetzt immer sichtbarer wird, wo immer mehr Menschen auf dem Drahtesel unterwegs sind. Autos und Fahrräder sind in Deutschland keine gleichberechtigten und gleichermaßen geförderten Verkehrsmittel. Sie konkurrieren. Und auf der Straße, wo die Konkurrenten aufeinandertreffen, kann diese Konkurrenz dann eben manchmal auch zu einem gefühlten Kampf werden. Beide Verkehrsteilnehmer begegnen sich nicht auf Augenhöhe. Das liegt schon allein am schützenden “Blechpanzer”, den der Autofahrer um sich weiß. Das Fahrrad ist chronisch unterlegen, das Auto immer stärker. Diese Asymmetrie versucht der Radfahrer hier und da auszugleichen, zum Beispiel durch die Missachtung von Ampeln oder die Abkürzung über Gehwege. Als Antwort ätzt und hupt der Autofahrer im besten Fall oder lässt die Muskeln spielen, indem er Wege eng macht oder beim Überholen zeigt, wer der Stärkere ist.

Die Politik muss jetzt zweierlei tun: Zum einen muss sie den Autofahrern, die es noch nicht verstanden haben, klarmachen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind, auf die es zu achten gilt. Regelkunde wäre hier hilfreich, denn viele wissen einfach nicht, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen, solange kein blaues Schild am Radweg steht.
Zum anderen muss die Politik auf die steigende Zahl der Radfahrer reagieren und für eine Infrastruktur sorgen, die ein Gefühl der Sicherheit gibt. Wie diese aussieht, darüber kann und wird auch unter Radfahrern gestritten. Die einen wollen abgetrennte Radwege, die anderen vollwertiges Fahren im Verkehr. Für beide Varianten gibt es gute Argumente. Möglicherweise ist es am Ende egal für welche Variante man sich entscheidet, solange sie konsequent umgesetzt wird.

Bis wir soweit sind, sollten alle Beteiligten einen Gang runterschalten und möglichst aufmerksam und gelassen bleiben!

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Kommentar von Markus Kirchhöfer
08.02.2013, 11:31 Uhr

Warum werden RadlerInnen zu Rüpeln ?
Sind es vielleicht die miserablen Wegeführungen?
die Ampelschaltungen, die immer wieder bremsen ?
die unübersichtlichen Wegeführungen die zum Ausweichen, oft auch auf die Straße, führen ?
Warum fahren RadfahrerInnen ohne Licht ?

Liegt es daran, das Räder ohne Licht, Klingel und andere sicherheitsrelevanten Dinge verkauft werden dürfen ?
Fragen Sie mal ihren Autohändler, ob er ihnen ein Fahrzeug ohne Licht und Hupe verkauft...

Vielleicht sollte man erstmal die Spielregeln ändern,
Radwege sollten mindestens den gesetzlichen Anforderungen genügen, oder nicht benutzungspflichtig sein,
Fahhräder sollten nur mit Straßenzulassung verkauft werden dürfen,
Planer sollten den Radverkehr nicht immer wieder benachteiligen,
Verkehrsführungen an Kreiseln müssen überlebbar sein,
Straßenbegleitende Radwege sollten in Tälern auf dem gleichen Damm und an Kuppen durch den gleichen Einschnitt wie dei Straße geführt werden, oft muss der/die RadfahrerIn hier überflüssige Kraft aufwenden...

Man kann noch viele Defizite aufzählen, ich möchte hier erstmal aufhören...

Aber auch die RadlerInnen, die Regeln missachten müssen darüber nachdenken ob das wirklich sein muss, und vorallem, ob dadurch andere gefährdet oder behindert werden.

Hier ist der Paragraf 1 der StVO einfach entscheidend, nur durch ihn kann das mMiteinander funktionieren,
nicht durch geänderte Bußgeldkataloge.

3
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Kommentar von Dietmar Klimmek
08.02.2013, 12:12 Uhr

Die allg. Diskussion um "DIE" Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger kann zu keinem vernünftigen Ergebnis führen. "DIE" gibt es nicht. Es gibt autofahrende, fahrradfahrende und sich zu Fuß fortbewegende Menschen. Je nachdem welche Fortbewegungsart ein Mensch nutzt hat er eine 'situative' soziale Rollenzuweisung. Für eine sachliche Diskussion sollte eine Veränderung der zu besprechenden Kategorien stattfinden. Hört sich erstmal unsinnig an.
Jedoch geht es in erster Linie um Verhaltensweisen von Menschen die sich entweder mit einem Vehikel oder zu Fuß, mit den daraus entstehenden psychologischen Ereignissen, fortbewegen. Den Autofahrer gibt es genauso wenig wie den Radfahrer oder den Fußgänger. Meines Erachtens geht es um eine vorausschauende und rücksichtsvolle Fahrtweise (Fortbewegung) oder um eine unaufmerksame und rücksichtslose. In solch einer Sichtweise sind alle Verkehrsteilnehmer gemeinsam enthalten. Dann würde es nicht um "DIE DA" gehen, sondern um das WIE man sich verhält. Wie sich Menschen als Verkehrsteilnehmer (mit Fahrzeug oder ohne) verhalten ist entscheidend. Darum geht es doch. Oder? Mal gesponnen, wenn sich alle rücksichtsvoll, vorausschauend und aufmerksam im Straßenverkehr bewegen, könnte man fast sämtliche Gebots- und Verbotsschilder im Straßenverkehr entfernen. Ebenso könnte man die Trennung von Fußweg und Strasse sein lassen. Selbst kleine Kinder könnten sich dann sicher fortbewegen, da Alle aufpassen. Hm, nur als Idee. Soziale Selbstregulation wäre doch was.

4
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Kommentar von Peter
08.02.2013, 13:03 Uhr

Ich wohne in einer Stadt, die beim Radklima im ADFC-Test auf den letzten Plätzen gelandet ist. Eigentlich lege ich meine täglichen Strecken hier mit dem Rad zurück, weil ich mich gerne bewege. Sich dabei jedes Mal schon seelisch darauf vorzubereiten, nicht in den Straßenkampf reingezogen zu werden, kostet schon extra Kraft. Nicht erst die Äußerungen von Ramsauer haben dazu geführt, auf dem Fahrrad offentsichtlich als Freiwild behandelt werden zu dürfen. Und selbst wenn es Menschen gibt, die auf dem Fahrrad nicht alle Regeln der StVO im Wortlaut einhalten, so sollte doch zumindest berücksichtigt werden, welche Gefahr von einem Fahrrad im Verhältnis zu tonnenschweren Geschossen ausgeht, deren Übertretungen in der öffentlichen Diskussion ganz anders wahrgenommen werden (siehe z. B. beim Thema Geschwindigkeitskontrollen)

5
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Kommentar von Thomas Keller
08.02.2013, 13:58 Uhr

Genauso wie ich als Autofahrer auf Autobahnen durch EINIGE Idioten (meist schwarze Audis, BMW, Mercedes) genötigt, bedrängt und gefährdet werde, gibt es EINIGE Idioten auf zwei Rädern. Hier wie da sieht man nicht den Straßenverkehr als eine gefährliche Sache, wo Regeln nötig sind, um zu überleben, sondern handelt als Ego, der alles besser weiß. Das sind übrigens gefühlt deutlich mehr als die oben genannten 1% Radler, die bei rot über Ampeln fahren...
Es gibt viele Radler, die recht sorglos mit sich umgehen. Nicht nur die Autofahrer mit ihrem Blechpanzer. Eben mal ohne sich umzugucken oder zu winken, vom Bürgersteig auf direkt vor ein fahrendes Auto auf die Straße hüpfen, gehört leider zu meinen häufigsten Aufregern.

Aber es gibt keinen Kampf zwischen Autofahrern und Radlern, jedenfalls hier nicht (in Berlin ist sicher alles härter, aber ihr wollt ja in einer Super-Großstadt leben ;-)

Neben der von Dietmar Klimmek richtig geforderten Rücksichtnahme ist auch eine vernünftige Verkehrsplanung wichtig.
Hier finde ich es wichtig, dass die Straßen nicht weiter verengt und zugepöllert werden, sondern eher breiter werden. Mit einem Fahrradweg direkt neben dem Autobereich. Denn nur wenn man sich gegenseitig sieht, kann man reagieren. Ein "geschützt" hinter Büschen verlaufender Fahrradweg wird extrem gefährlich, wenn er eine Seitenstraße kreuzt oder plötzlich auf die Straße mündet.

Weglassen der Schilder: eine zu extreme Idee, aber der Hintergrund ist richtig: alle Verkehrsteilnehmer passen sich mit zunehmender Regelungsdichte nicht mehr der jeweiligen Situation an, die ganz anderes erfordern kann als die Schilder gerade vorgeben. § 1 StV wird ausgeschaltet, je mehr man regelt. Also muss man noch mehr regeln. Ein Teufelskreis.

6
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Kommentar von Raphael
11.02.2013, 15:00 Uhr

Ich finde die Situation in Berlin relativ entspannt. Als Vergleich habe ich Coimbra (Portugal) wo ich auch sehr regelmäßig bin. In Portugal gibt es so gut wie keine Fahrradkultur, keine Radwege, kaum Rücksichtsname... Wer mit dem Rad fährt ist von vorneherein superexotisch und die Autofahrer kümmern sich so gut wie überhaupt nicht um die Radler.

Wenn ich dann nach Berlin zurückkomme, habe ich ein nahezu paradiesisches Umfeld. Trotz aller Querelen und fallweisen Schwierigkeiten.

Grüße!
Raphael

7
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Kommentar von Thomas Huber
11.02.2013, 16:35 Uhr

Wie schon vor mir geschrieben wurde - ich habe keine belastbaren Daten dazu, aber sowohl als Autofahrer als auch als Radfahrer (und übrigens auch als Fußgänger) habe ich das Gefühl, dass die größten Ärgernisse von einer Minderheit von Menschen ausgehen. Die meisten Autofahrer benehmen sich einem Radfahrer gegenüber rücksichtsvoll. Und die meisten Radfahrer halten sich an die Spielregeln. Wenn uns auf einer Fahrt ein Autofahrer geschnitten hat, sind wir schnell am Schimpfen über DIE AUTOFAHRER, vergessend, dass uns Dutzende begegnet sind, die keinerlei Anlass zur Beschwerde gaben.

Das Problem für einen Radfahrer ist, dass ihn vor allem in Städten Wegeführungen, Ampelschaltungen und Beschilderungen geradezu in den Regelverstoß treiben. Von plötzlich endenden Radwegen, hirnverbrannten Ampelschaltungen oder unklaren Trennungen zwischen Fußgänger- und Radfahrerbereich will ich mal gar nicht anfangen. Und dass es unter Autofahrern nichtmal als Kavaliersdelikt gilt, den Radweg zuzuparken, das wissen wir ja alle. Aber wie wäre es damit: Ich wohne in einem Ort, in dem die meisten Straßen ein Gefälle haben. "Radfahrer erlaubt" gibt es hier grundsätzlich nicht. Wenn ich mich hier als Radfahrer an alle Einbahnstraßen halte, artet jede Fahrt durch die Innenstadt zur Alpenetappe aus. Für mich wäre das noch kein Drama, aber nicht jeder Radfahrer ist ein Leistungssportler - und sollte es auch nicht sein müssen. Da denken Verkehrsplaner einfach nicht mit. Ähnlich sieht es bei der Integration von Radwegen in Kreisel aus. Als Autofahrer bin ich Kreisel-Fan. Aber ein Kreisel, den man als Radfahrer genauso flüssig und vor allem unter Anwendung einfacher Regeln bewältigen könnte wie als Autofahrer, ist mir noch nicht untergekommen. Es sei denn, man benimmt sich wie ein Auto und fährt in der Hau. Stattdessen ist hier ein Alibi-Radweg auf der Hauptverkehrsader eingezeichnet, als ob damit alle Bringschuld, die eine Gemeinde an ihre radfahrenden Steuerzahler hat, erbracht wäre. Und ja: Ich würde auch eine Fahrradsteuer bezahlen. Wenn sie vernünftig investiert würde.

Ich bitte um besondere Beachtung des Kommentars von Markus Kirchhöfer. Die Frage nach der Sicherheitsausstattung hab ich mir auch schon gestellt. Manche (wenige) Radler fahren nämlich mit Böcken rum, deren automobiles Äquivalent so etwas wie ein Kart oder ein Formel-1-Auto wäre. Nur dass die Autos niemals eine Straßenzulassung kriegen würden.

8
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Kommentar von Thomas Huber
11.02.2013, 16:37 Uhr

In der Hau, jaujau. "In der Hauptspur", sollte es heißen. Grmpf.

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Kommentar von Dr. Thorben Prenzel
11.02.2013, 16:47 Uhr

Einfach mal lächeln...

Der Konflikt zwischen Autofahrern und Fußgängern / Radfahrern besteht schon seit den Anfängen des Automobils. So galt in Großbritannien von 1865 bis 1896 der „red flag act“. Innerhalb von Ortschaften durften Fahrzeuge ohne Pferde nicht schneller als 2 Meilen pro Stunde (ca. 3km/h) fahren, zudem musste ein Fußgänger dem Fahrzeug vorangehen und eine rote Fahne schwenken.
Heutzutage würde so etwas sicherlich nicht mehr funktionieren. Es zeigt aber, dass der Konflikt zwischen den „schnellen“ motorisierten Fahrern und den langsameren Fuß- und Radfahrern nie vollständig gelöst werden kann. Da wird wahlweise auf den böswilligen Autofahrer, dem Kampfradler oder allgemein der Politik herumgehackt. Dabei spiegelt dieser Konflikt eine ganz einfache Tatsache wieder: Unsere Städte sind eng geworden. Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer konkurrieren um die gleiche Fläche. Die autogerechte Stadt als Lösung hat sich als Trugschluss erwiesen. Eine neue Verkehrspolitik muss die Verkehrsträger wieder neu in der Stadt sortieren. Konflikte sind vorprogrammiert. Einige (wenige) Autofahrer müssen lernen, Radfahrer nicht als Hindernisse zu begreifen sondern als vollwertige Verkehrsteilnehmer. Einige (wenige) Radfahrer müssen lernen, dass sie nicht allein auf der Straße sind und einige (wenige) Fußgänger, dass man nach rechts und links schauen muss, bevor man die Straße überquert. Helfen wir ihnen dabei und wann immer sie etwas richtig machen: Einfach lächeln – das hilft allen.

Der Autor ist Radverkehrsexperte des Arbeitskreises Verkehr des BUND e.V.

10
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Kommentar von Feirefiz
11.02.2013, 18:28 Uhr

Sicher gibt es, was persönliches Verhalten angeht, sowohl unter Radelnden als auch Motorisierten schwarze Schafe (ohne hier irgendwelche Schafe verunglimpfen zu wollen). Das Problem ist nach wie vor, dass Radelnde faktisch Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse sind, was verständlicherweise insbesondere bei Viel- und Alltagsradlern zu Aggressionen führt. Während es vielerlei Radwanderwege und Erleichterungen für Radeln mit Muße gibt, ist die Situation für alle, die tägliche Wege schnell, sicher und ohne Umwege mit dem Rad zurücklegen wollen, nach wie vor mies.

In meiner Stadt, einer erzkatholischen Stadt im nördlichen Hessen, gibt es beispielsweise kaum Radwege, die mit derselben Geschwindigkeit wie Straßen befahren werden könnten. Entweder wurden schmale Radstreifen direkt entlang von Parkstreifen angelegt, auf denen schnelles Fahren wegen der Gefahr sich plötzlich öffnender Autotüren lebensgefährlich ist. Oder Radwege gleichen Slalomstrecken, sind zugeparkt, mit Mülltonnen vollgestellt, im Dunkeln kaum vom Fußweg zu unterscheiden und zu schmal oder auf viel zu engen, stark von Fußgängern frequentierten Bürgersteigen angelegt.

In der Altstadt gibt es ein paar freigegebene Einbahnstraßen, aber natürlich nicht durchgängig. Und da es meinen Stadtvätern (ich baue drauf, dass sie vor allem männlich sind) wichtiger ist, dass man mit dem Auto schnell auf den größeren Zubringerstraßen in und durch die Stadt rasen kann, ist es an letzteren an mehreren Kreuzungen kaum möglich, fußläufig oder per Rad gefahrlos zu kreuzen. An vielen Stellen werden Radelnden Umwege zugemutet, und wer nach überdachten Fahrradständern sucht, wird fast nirgendwo fündig.

Wer trotz unzumutbarer, weil Radelnde benachteiligende, Fahrradwege auf der Straße fährt, sollte dagegen Nerven wie Stahl haben, denn auch wenn viele motorisierte Mitbürger partnerschaftlich fahren, gibt es eben doch die signifikante Minderheit, die es offenbar kaum ertragen kann, auf schmalen Straßen einmal ein paar Sekunden hinter einem Fahrrad herfahren zu müssen. Letzeres ist dann die Kehrseite der angelegten ausgewiesenen Radwege. Sobald es solche in größerer Zahl gibt, gehen viele Motorisierte leider davon aus, dass sich niemand mehr mit Rad auf die Straße wagen sollte.

Eine Lösung sehe ich darin, endlich in allen Städten flächendeckende, schnelle, sichere Radverbindungen auch für Alltagsradelnde zu schaffen und gleichzeitig die Radwegebenutzungspflicht abzuschaffen und das Recht der Radelnden auf die Straße zu stärken.

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Kommentar von Yves
11.02.2013, 18:58 Uhr

Die Stimmung ist gleichbleibend angespannt.

Ich kann nicht im Generellen sprechen, aber so empfinde ich die Lage in Berlin. Es hat sich einfach nichts geändert! Sei es Radfahrer oder Fußgänger, welche sich rücksichtslos über rote Ampeln hinwegsetzen oder Autofahrer die ohne Schulterblick um die Ecke rasen.

Meiner Meinung nach liegt der Mangel ganz klar in der Infrastruktur. Es müssen klare Räume für alle Verkehrsteilnehmer geschaffen werden, welche ihren Anforderungen entsprechen. Und diese Räume müssen von allen akzeptiert und nicht für eigene Zwecke missbraucht werden. Sei es, dass Autofahrer die Radspur als Parkplatz nutzen oder Radfahrer auf dem Gehweg fahren. Es gibt zahlreiche Beispiele.
In dieser Hinsicht ist ein Schimpfen auf einzelne Gruppen definitiv nicht zielführend, sondern kontraproduktiv. Das jeweilig andere Lager fühlt sich bestätigt und Rücksichtslosigkeit wird gefördert.
Auch groß angekündigte Schwerpunktmaßnahmen halte ich für aussichtslos. Von keiner dieser Maßnahmen, wie Lichtkontrolle, Verweise bei Halten auf Radwegen, etc. geht eine allgemeine Verkehrserziehung aus. Es trifft stets nur Einzelne.
Die prioritären Räume für motorisierte Verkehrsteilnehmer müssen unter allen und ihren Bedürfnissen entsprechend aufgeteilt werden. Es muss offensichtlich werden, wer sich wo und wie in welchem Raum bewegen kann.
Schließlich muss eine Verkehrserziehung vollzogen werden. Mag etwas naiv klingen und wahrscheinlich so gut wie nicht durchsetzbar sein, aber ich halte es für unabdingbar.
Auch Radfahrer haben Rechte, die von den meisten Verkehrsteilnehmern nicht beachtet werden. Ich gehe jede Wette ein, dass täglich mehr Radfahrer mit einem zu geringen Abstand überholt werden, als das Radfahrer über rote Ampeln fahren. Denke beides ist nicht minder gefährlich!

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Kommentar von Bertram Kraus
11.02.2013, 19:30 Uhr

Stimmung: Getrübt, mit dunklen Wolken

Meine Erfahrung ist, dass das Verhalten im Straßenverkehr immer auch einen Teil der gesellschaftlichen Realität , des sozialen Verhaltens und Handelns von Menschen in einer Gesellschaft abbildet. Der Straßenverkehr lässt sich somit auch als ein hochkomplexes soziales Geschehen begreifen.
Wie sollten über 30 Jahre neoliberaler Zeitgeist an den Menschen spurlos vorbei gehen? Wie soll eine Bevölkerung, die psychisch und sozial ent-gesellschaftet (G. Eisenberg) wurde sich im Straßenverkehr verhalten? Wie sollen also die durch Vermarktung, Privatisierung, Dauer-Wettbewerb und Selbstbereicherungsideale atomisierten und konkurrierenden Individuen sich im Straßenverkehr anders verhalten können, als es eben üblich ist? Das infragestehende Verhalten und Handeln von Verkehrsteilnehmern wie Konkurrenzbetonung, Rücksichtslosigkeit, Risikobereitschaft, Gefährdung oder allgemein eine Erosion sozialer Normen und Regeln ist durchaus marktkonform, erzeugt jedoch Unsicherheit und die wird doch irgendwie als eine Zumutung empfunden und zwar von ALLEN (weil jeder zu bestimmten Zeiten eben auch Verkehrsteilnehmer ist).
Vor diesem Hintergrund lohnt es sich den Begriff Konkurrenz im Verkehr näher zu beleuchten. Er ist sehr vieldeutig, d. h. damit werden mehrere Sachverhalte angesprochen. Konkurrenz meint hier zum einen den Wettbewerb verschiedener Mobilitätsgruppen (und auch ruhender Verkehr) um vermeintlich knappe Ressourcen wie Zeit und Straßen/Wege – z. B. Radfahrer mit Autofahrern und Fußgängern, aber auch Autofahrer mit ÖPNV-lern und Radfahrern. Zum Anderen meint es auch den Wettbewerb einzelner Mobilitätsnutzer um die beste , schnellste oder kürzeste Art der Fortbewegung, also eine Konkurrenz zwischen den Mobilitätsgruppen und innerhalb der eigenen Mobilitätsgruppe. Beispiele sind schnelle Radfahrer gegen langsame; Alte Autofahrer gegen Jüngere; junge Fußgänger gegen zu Fuß gehende Mütter mit Kinderwägen, Fahrende Väter mit Kindern gegen Radfahrer usf. Als dritter Aspekt von Konkurrenz kommt die Rivalität hinzu. Es geht dabei auch immer um den emotionalen Wettbewerb, um Ansehen, (Vor-)Macht , Identität u.ä. Als vierten Aspekt würde ich noch anfügen wollen, dass eine gewisse Unberechenbarkeit berücksichtigt werden muss. Z. B. gibt es individuelle und situative Komponenten von Konkurrenz: mal nimmt sich in Konkurrenz stehend wahr und dann wieder nicht, mal erzeugen bestimmte Konstellationen und Räume Konkurrenz und mal nicht.
Wie kann lässt sich also das Verhältnis der Nutzer der verschieden Mobilitätsformen verbessern.
Ein Nachdenken über mögliche Wege*:
1. Repression und Kontrolle, das meint Verschärfung von Überwachung, Verfolgung und Bestrafung : die erwartbare Reaktion der Politik unter neoliberalem Stern. Ob damit die Verhältnisse verbessert werden, ist mehr als fraglich.
2. Laissez- faire, das meint Schilder, Kontrolle und Verkehrsregulierung abbauen, auf die Selbstregulierungskräfte vertrauen : wäre die logische Antwort einer marktliberalen Sichtweise, passiert aber nicht, zu viel Anarchie, zu wenig Sicherheit.
3. Paradigmenwechsel, das meint eine Änderung der Präferenzen in Politik und Gesellschaft weg vom Auto, hin zu ..., na ja, nur mal angedacht.
4. Entschleunigung-, z.B. Senkung der Geschwindigkeiten in der Stadt für Autofahrer und Radfahrer, z.B an die jeweils langsamste Fortbewegungsart: eine post-postmoderne Antwort, das dauert noch lange.
5. Infrastrukturelle Lösungen -Räumliche Modifikation/Gestaltung – Trennung der Auto- Radfahr- Fußgängerbereiche. Vergrößerung des Nutzungsraumes. Der teure Weg,bringt zumindest Verbesserungen. Außerdem Wirtschaftswachstum Arbeitsplätze. Nachteil : sehr teuer
6. Verhaltensmodifikation, das meint Rücksichtnahme, Achtsamkeit, Fairness, und Gelassenheit- mit Verweis auf Regeln der Gemeinsamkeit und des sozialen Zusammenlebens. Ist der humanste und damit schwierigste Weg, schon wg. 1. und 2. schwer möglich und wg 3. und 4. nur bedingt möglich.
Was ich darstellen möchte ist, dass die exklusive Bezugnahme auf einzelne Aspekte im Verhältnis zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern und –modi als unterkomplex anzusehen ist. Ginge es nur um das Konkurrenzverhältnis verschiedener Mobilitätsgruppen zueinander, wären trennende Lösungen in Raum- und Stadtplanung hinreichend. Sie sind es aber nicht.

*Für Zahlenfreunde: kombiniert man die 6 angesprochenen Wege mit den obigen Aspekten wären es 7776 variante Betrachtungsweisen möglich. Tröstlich ist: viele davon sind sinnlos.

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Kommentar von Rolf Scheyer
11.02.2013, 21:41 Uhr

Alles ist möglich. Als Fußgänger ärgere ich mich über die auf dem Bürgersteig fahrenden Radfahrer (besonders in Berlin). Als Radfahrer über die spazieren gehenden Leute auf dem Radweg, die dort parkenden Autos, die dort abgestellten Baustellenschilder et cetera und als Autofahrer ärgere mich ich mich über bei Rot vor mir über die Ampel fahrende Radfahrer, Radler, die nicht auf dem Radweg sondern in der Straßenmitte nebeneinander fahren und so geht das immer im Kreis immer weiter.
Weil ich selber sehr viel Fahrrad fahre, fühle ich mich insgesamt als Radfahrer besonders betroffen. Die gesamte Anlage des Verkehrs scheint mir eher Radfahrer feindlich. So wurden in meinem Wohnbereich mehrere neue Radwege für sehr viel Geld gebaut, die im Nichts enden – nichts heißt: schon nach wenigen 100 m endet der Radweg ohne Beschilderung wieder auf der Straße bzw. auf dem Bürgersteig. Radwege in Köln sind, insbesondere am Rhein entlang und nach Festivitäten, an einigen Stellen nicht passierbar, weil oft kleine Glassplitter von Veranstaltungen nicht beseitigt wurden.
Die Beschilderung ist ungenügend, was durchaus als Schulnote zu verstehen ist. Radfahrer beauftragte und Polizei sind, auch wenn Letztere manchmal auch ganz praktisch Verständnis zeigt, in der Regel nicht hilfreich. Auch Radfahrende untereinander sind sich oft nicht“ grün“ und giften sich an.
Genug gejammert. Lösungen könnten aus mehr Diskussion in der Öffentlichkeit, einer besseren Infrastruktur für Radfahrende und einem einhalten bzw. durchsetzen der Verkehrsregeln für Autofahrer bestehen.
Rolf Scheyer

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Kommentar von hans
12.02.2013, 12:04 Uhr

betr.: radfahrer + sich per rollstuhl fortbewegende

sehr geehrte taz-macherInnen,

wie wär`s mit einem neuen rollstuhlmobilitätstest, damit u.a.
das kribbeln eines rollstuhlfahrers auf einem bürgersteig in
einer kurve nachvollziehbar ist, wenn ein ihm entgegen-kommender radfahrer nur mit mühe das parken zwischen
den beinen des rollstuhlfahrers verhindern kann, um anschließend denselben anzumachen: "kannst du nicht aufpassen?!?"

i.d.s.radfahrer für respekt

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Kommentar von Michael Reese
12.02.2013, 15:24 Uhr

Zuerst: Idioten gibt es überall, ob zu Fuß oder auf 2 bzw. 4 Rädern. Allerdings sind mir Idioten zu Fuß oder auf dem Fahrrad lieber als im Auto. Der mögliche Schadensouput ist beim Autofahren viel größer. Falls also mehr Idioten mit dem Rad unterwegs sein sollten, als im Auto: Freut Euch!

Im Gegensatz zu den Idioten ist der größte Teil der Radfahrer friedliebend und vernünftig, obwohl auch von diesen einige (und in Berlin eine große Menge) von einigen Autofahrern oder Fußgängern als Kampfradler bezeichnet würden. Das liegt daran, das der Begriff überhaupt nicht definiert ist. Bin ich Kampfradler, wenn ich bei gähnend leeren Straßen bei Rot über die Ampel fahre, bin ich Kampfradler, wenn ich die letzten Meter zu meinem Hauseingang mit Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg radele? Sind Autofahrer, die auf dem Radweg parken, Kampfautofahrer? Oder Fußgänger, die den Radweg blockieren, Kampffußgänger? Und wenn der Kampfradler ins Auto steigt, ist er dann plötzlich ein Friedensautofahrer? Seine Undefiniertheit zeigt, dass es sich um einen rhetorischen Kampfbegriff handelt, einer vernünftigen Diskussion unwürdig. Aber wenn der Begriff fällt, soll ja auch nicht vernünftig diskutiert werden, im Gegenteil.

Da im Grunde nicht zu erwarten ist, dass sich an der Situation im Straßenverkehr etwas änderte, wenn alle Radfahrer Autofahrer würden und durch einen entsprechenden Anteil von Autofahrern ersetzt würden, sind es offensichtlich die Verhältnisse, die zur jetzigen Situation führen oder aber die Situation ist unabänderlich.

Geprägt ist die jetzige Situation durch Geschichte, Physik und Ordnung.

Physik: Ein durchschnttlicher PKW wiegt knapp eine Tonne, hat 80 PS und allerlei Schutz gegen Kräfteeinwirkungen von außen. Ein Durchschnittsfahrrad wiegt 13 Kg, bietet keinen Schutz und die Kraft hängt vom Radler ab, liegt aber in der Regel deutlich unter einem PS. Die Gefälle von Kraft, Schutzgefälle und Schadenspotenzial zwischen Auto und Fahrrad sind enorm. Das Aufeinanderprallen von Autofahrer und Radfahrer endet für den Radfahrer schlimmstenfalls tödlich, für Autofahrer höchstens mit einem Blechschaden. Dieses Machtgefälle führt schon bei den nicht zu vermeidenden Unachtsamkeiten von Autofahrern bei Radfahrern zu Angst, Machtlosigkeit und Wut. Es führt andererseits dazu, dass sich Autofahrer Dinge herausnehmen können, die Radfahrer umgekehrt kaum verwirklichen könnten. So parken Autofahrer gerne auf Radwegen. Fahrräder, die auf Straßen parken, sind hingegen sehr selten. Ein weiteres Gefälle darf nicht vergessen werden, wenn es ach anders wirkt: Das Umweltgefälle. Radfahrer fühlen sich zu recht Autofahrern gegenüber moralisch überlegen. Radfahren ist weniger gefährdend, weniger umweltbelastend und gesundheitsfördernd.

Geschichte: Die ganze Nachkriegszeit ist eine Geschichte des Autos. Darauf beruht, zumindest propagiert, der Wohlstand und der Fortschritt. Das Auto war immer Prestigeobjekt. Der Autoverkehr wurde gegenüber den Fahrrädern und Fußgängern immer bevorzugt. Jahrzehntelang wurde in Städten eine Verkehrspolitik betrieben, die allein dem Rollen des Autoverkehrs diente. Das Auto galt schon lange als schnelleres Fortbewegungsmittel gegenüber Rad und Fuß. Die Physik und Geschichte lässt den Autofahrer eigentlich mit einem Gefühl von Überlegenheit und Kraft ins Auto steigen (die Werbung tut ihrs dazu). Dies trifft auf die unschöne Realität. Staus, Ampeln und dann auch noch Radfahrer, die auf der Straße fahren, obwohl es einen Radweg gibt (auch wenn das blaue Radfahrschild fehlt…) Autofahrer in der Stadt müssen frustriert sein (wenn auch nicht genug, um das Auto stehen zu lassen), obwohl uns die Geschichte immer noch Autofahrerstädte hinterlassen hat. Diese Autofahrerstädte bevorzugen bis heute sowohl in Fahrbahnführung, wie in Ampelschaltungen etc. die Autofahrer.

Ordnung: Obwohl die Bedingungen für Autofahrer und Radfahrer nicht ungleicher sein könnten, obwohl zwischen Autos und Fahrrädern ein ungeheures Machtgefälle liegt, obwohl Radfahrer bereits durch die Wegeplanung und Verkehrsführung benachteiligt werden und obwohl Radfahren schlicht absolut förderungswürdig ist, will man Autofahrer und Radfahrer mehr oder minder unter die gleichen Regeln der Straßenverkehrsordnung zwingen. Alles spricht dafür, dass Autofahrer aufgrund ihrer Umweltbelastung und der Gefährdung, die von ihnen ausgeht, stärker reglementiert werden müssen als Radfahrer. Dem kommt die StVO nur sehr ungenügend nach. Es spricht aber nichts dagegen, Radfahrern das Überfahren von roten Ampeln grundsätzlich zu erlauben, wenn sie die Vorfahrt, desjenigen wahren der grün hat, ebenso wenig spricht dagegen Radfahrern das Fahren auf dem Fußweg zu erlauben, solange sie Schrittgeschwindigkeit fahren und die Vorfahrt der Fußgänger achten. Andererseits spricht einiges dafür in dicht besiedelten Städten, die Höchstgeschwindigkeit für Autos grundsätzlich auf 30 festzulegen, wenn nicht einige Innenstädte (in Berlin beispielsweise alles innerhalb des S-Bahnrings) autofrei zu gestalten.

Fazit:
Durch Physik und Geschichte sind Autofahrer besonders in Städten massiv gegenüber Radfahrern bevorzugt. Die Ordnung gleicht diese Unterschiede nicht aus. In den Städten werden Autofahrer eher frustriert, Radfahrer eher verängstigt bis wütend gemacht. Das Dogma des Autos als Heilsbringer, das vieles tolerieren ließ, löst sich auf. So mag in alten Zeiten die deutliche Bevorzugung des Automobils mit ihren negativen Begleiterscheinungen hingenommen worden sein. Heute, wo Fahrräder zunehmend zum ökologischen Hauptverkehrsmittel werden, während die Erkenntnis wächst, dass Autos die Lebensqualität und Lebenssicherheit in Städten massiv senken, sinkt besonders in Städten die Toleranz. Ein Ausdruck dieser Erkenntnis findet sich darin, dass Radfahrer die gegebene Ordnung nicht mehr als gottgegeben hinnehmen. Es wird aufbegehrt. Eure Regeln sind nicht unsere Regeln. Reclaim the streets. Ehrlich gesagt, ich finde das gut.

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Kommentar von Mathias
12.02.2013, 22:43 Uhr

Aus meiner Sicht eines zügig fahrenden Fahrradfahrers:

Die meisten Autofahrer sind ganz lieb, wenn Sie nicht gerade abends auf dem Heimweg sind. Die meisten Fußgänger mögen es aber überhaupt nicht, wenn ich die offiziellen "Fahrradwege" nutze und dabei um sie Slalom fahre.

Ich würde vieles dafür tun, Fahrrad fahren zu dürfen, ohne mit Fußgängern oder Autofahrern negativ in Kontakt treten zu müssen. So lange ich mich aber, an alle Verkehrsregeln haltend, regelmäßig in gefährliche Situationen bringe, ohne dabei auf dem Fußweg fahrend Menschen bedrohen zu müssen, fahre ich wie ich fahren muss, um zu überleben und anzukommen.

Ein effizient befahrbares Fahrradverkehrsnetz kann diese ganze Problematik meiner Meinung nach sehr gut auflösen. Zumindest habe ich diese Erfahrungen durch Fahren in verschiedensten Städten gemacht. Eine Geschwindigkeitskontrolle der Autofahrer auf die Einhaltung der maximalen 50km/h wäre aber auch schon einmal etwas, oder noch viel besser: http://de.30kmh.eu

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Kommentar von maria berndt
13.02.2013, 08:08 Uhr

hallo,
was für ein thema, seit 40 jahren fahre ich rad in den städten, und die agression im verkehr wird mehr, die radfahrer sind klar mehrfach
ungeschützt und viele autofahrer scheinen die rechte der radler nicht zu kennen.
im rahmen der umwelt , gesundheitsförderung, energiesparen und spass, finde ich das zur zeit vorherschende verhalten der politiker und autofahrer schlicht und ergreifend albern.
so oder so ich werde weiterradfahren, die erkenntniss über diese zusammenhaenge kann mann niemand aufzwingen, da muss mann schon auch hinkommen wollen.
liebe grüsse
maria

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Kommentar von Peter
13.02.2013, 09:53 Uhr

Gerade hatte ich eine Situation auf dem Fahrrad, die auch ein gutes Beispiel für die Rollenverteilung im Straßenverkehr ist.

Ich fahre (fast täglich) auf dem Radweg auf der linken Seite einer Hauptstraße durch einen kleinen Ort. Dieser wäre mittlerweile nicht mehr in dieser Weise zuläßig zu bauen.
Da er aber breit genug ist und richtig ausgeschildert (an den Seitenstraßen mit wiederholtem Radwegschild, Achtungschild Fahrräder kreuzen und rote Furten) ist er benutzungspflichtig.

Heute kommt mir ein Auto auf der Straße entgegen, das abbremst um in die gegenüberliegende Tankstelleneinfahrt zu biegen. Dem roten Kastenwagen dahinter geht das nicht schell genug und er benutzt den Radweg als weitere Fahrspur, wobei er mich beinahe umfährt.

Wenn ich diesen Radweg nicht benutze (auch weil da gerne Autos drauf parken), also auf der Straße fahre (also Kampfradler bin) dann werde ich mit zu wenig Seitenabstand geschnitten (obwohl das von der Verkehrsdichte her nicht erforderlich ist), werde aus heruntergelassen Scheiben verbal beleidigt und aus direkter Nähe angehupt.

An dieser Stelle kann ich also immer mit Problemen rechnen, es bleibt mir keine andere Wahl, als mich diesen auszusetzen, da es keine alternative Route gibt (direkt anschließend kommt für viele Kilometer die einzige Brücke über einen Fluß).

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Kommentar von Matthias
13.02.2013, 10:27 Uhr

In dem Satz "Die Bundesregierung hat das "Radklima" in deutschen Städten untersucht. Resultat: "Überwiegend heiter"." stecken gleich zwei Fehler: Zum einen hat nicht die Bundesregierung das Radklima untersucht, sondern der ADFC. Zum anderen ist das "überwiegend heiter" die Interpretation der Ergebnisse insbesondere seitens der Verkehrsministeriums, die sich aber nicht mit den tatsächlichen Ergebnissen deckt: Gesamtnote aller Städte in Deutschland: 4. Wenn man die Bewertungsmaßstäbe von Schulnoten an die Ergebnisse des Test anlegt (und so war der Test schließlich gedacht), haben nur drei Städte das Klassenziel erreicht (nämlich weniger als zwei Fünfer oder einen Sechser): Freiburg, Karlsruhe und Hannover. Von "überwiegend heiter" kann keine Rede sein, "flächendeckend Regen mit nur vereinzelten Auflockerungen" träfe es wohl besser.

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Kommentar von Friedrich Kowalski
13.02.2013, 11:08 Uhr

Es ist erstaunlich, daß sich jede Kommune als "Fahrradfreundlich" lobt, aber so wenig dafür tut.

Und dann die Unterschiede zwischen Fahrradfreundlich und Fahrradfreundlich: mal gibt es wirkliche Rücksicht (Münster, Bremen), mal wird man nicht sofort umgefahren, sondern nur angehupt und geschnitten (Berlin, Halle/Saale).

Eigentlich wünsche ich mir nur, daß Kraftfahrer auch Nichtmotorisierte als Verkehr wahrnehmen und nicht einfach Unfälle provozieren.

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Seit: Nov. 2011
Beiträge: 1
Kommentar von fairanstaltung
13.02.2013, 15:33 Uhr

Bis vor kurzem wusste ich garnicht, dass es für das, was ich als Radfahrer im Straßenverkehr täglich mache eine Bezeichnung, ja sogar eine Bewegung gibt. "Kampfradler", ein hart klingendes Wort. Allerdings ist so, dass Radler für ihre Rechte im Straßenverkehr kämpfen müssen(!), wenn sie nicht benachteiligt und verdrängt werden wollen. Ich glaube nicht, dass ich als Rübel oder Gefahrenauslöser unterwegs bin. Ganz im Gegenteil: durch diese gezielt eingesetzten Akte des zivilen Ungehorsam werden die Straßen erst sicher und gleichberechtigt.
Warum soll ich als Radfahrer bereits an einer gesonderten roten Radler-Ampel warten während die Autos noch fahren dürfen? Wenn ich bremse und halte, erschrecken sich die Autofahren und nur mi vielt Glück ist es noch nicht zum Unfall gekommen.
Ich meine, ein Kampfradler ist nicht gleich ein unberechenbarer Raser, sondern ein Fahrradfahrer mit Verstand, der unterstützt werden sollte. Klimafreundlicher, kostenschonender und ungefährlicher für alle in der Gesellschaft kann Mensch sich kaum fortbewegen, wenn er nicht gerade zu Fuß unterwegs ist.

F. Seehausen
ist mit Rad und Helm auf Dortmunds Straßen unterwegs und in dieser Stadt überwiegend zufrieden mit dem Radklima.

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Kommentar von RadfahrFrau
13.02.2013, 20:39 Uhr

Gibt es Unterschiede zwischen radfahrenden Frauen und Männern? Zumindest die Kommentatoren sind meist männlich. Dabei habe ich das Gefühl, dass mehr Frauen als Männer Rad fahren. Man sagt Frauen nach, dass sie ängstlicher sind. Einige meiner Nachbarinnen fahren kein Rad, eben weil sie Angst haben auf einem Sandwichstreifen zusammengefahren zu werden. Andere benutzen deshalb die Gehwege. 11-jährige wie auch über 80-jährigen Radfahrer(Innen) oder Teilnehmer mit elektrischen Mobilitätshilfen werden anscheinend von der Politik gar nicht berücksichtigt. Nicht nur Radwege, sondern auch Gehwege werden hemmungslos zugeparkt. Ich gebe Herrn Michael Beese vollkommen Recht. Die gesamte Verkehrspolitik ist an einen Punkt angekommen, an dem es so nicht weitergeht. Statt dass die Verantwortlichen dieses Problem energisch angehen, werden Radfahrer zu Sündenböcken gemacht.

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Kommentar von Bernhard Stoevesandt
13.02.2013, 23:45 Uhr

Der Konflikt besteht zwar schon länger, hat sich aber in den letzten Jahren verschärft. Die Ursache dafür ist, dass in den Städten immer mehr Menschen mit dem Rad fahren, ohne dass sich die Bedingungen für das Radfahren grundlegend verändert haben. Die Verkehrsregeln sind für Autos ausgelegt, was daran liegt, dass Autos potenziell tödliche Maschinen sind, die jedes Jahr tausende Menschen das Leben kosten. Gelder für Forschung, Straßenbau und Städteplanung werden noch immer nicht gleichberechtigt aufgeteilt - wobei der Fahrradverkehr eigentlich Nachholbedarf hätte. Sprich, wenn das Fahrrad als wirklich gleichberechtigtes Verkehrsmittel gesehen würde, dann müsste sich noch sehr viel ändern.
Regelverstöße im Straßenverkehr sind aber normal: Überall, wo es Interessenskonflikte gibt, gibt es Regelverstöße. Autofahrer_innen verstoßen gegen andere Regeln als Radler_innen. Ihnen fallen aber vor allem die Regelverstöße der Radler_innen auf, weil sie ihre Verstöße "normal" finden. Dies hat sich ein Minister zu Nutze gemacht, um eine eigene Profilierungsdebatte anzustoßen. Erst wird eine - aus seiner Sicht .- Mindeheits zum Problem erklärt und dann das Problem per Erhöhung der Bußgelder gelöst.
Dabei sollte es bei jedem Regelverstoß darum gehen nach den Ursachen zu fragen - anstatt Schuldige zu suchen, die es zu bekämpfen gilt. Nur dies würde etwas ändern. So ist das Vorgehen von denen, welche die Kampfradler_innen-Debatte angestoßen haben nur als fahrradfeindlich zu begreifen.
Mehr dazu auf http://kampfradler.blogsport.de

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Kommentar von Lutz Rothenbacher
14.02.2013, 20:52 Uhr

radeln (jeden tag 20 km) heißt:
- schlechte schneeräumung - die strasse ist immer frei
- schlechter zustand der radwege
- radwege zu schmal
- radwege auf dem bürgersteig - konflikt vorprogrammiert
- benachteiligende ampelschaltungen
- gefährliche situationen mit lkws
- kaum rad"schnell"wege

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Seit: Jan. 2012
Beiträge: 10
Kommentar von laurence
15.02.2013, 20:39 Uhr

Ich bin eine Fußgängerin, ein Radfahrerin und eine Autofahrerin. Und finde, dass es von allen Seiten Exzessen gibt, die genauso von rücksichtslosen Auto- wie Radfahrern kommen und nicht zimperlich ausgetragen werden. Manche Radfahrer hier in München sausen wie die Berseker und sind alle Analphabeten: es gibt Schilder, die sagen, dass Fußgänger Vorrang haben oder dass Radfahrer aussteigen sollten. Nix. Weder das eine noch das andere wird beherzigt. Und wenn man etwas sagt, wird man noch heftig angepflaumt. Manchmal ist es wie auf einer Autobahn... nur für Radfahrer, mit dem Unterschied, dass sie es nicht allein benützen.
Und die Autofahrer, die an den Kreuzungen Radfahrer übersehen, die ihre Autotür aufmachen ohne im Spiegel vorher zu schauen, die da parken wo Radfahrer durch möchten und LKW -Fahrer sind auch da nicht besser, wenn sie mir ihren Monstern auf einer/m in den Rücken zurasen, da hat man auf seinem Drahtesel schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend :-(
Aber manchmal erlebt man auch Wunder, nette Radfahrer, die freundlich lächelnd "Kein Problem" sagen wenn der Hund plötzlich die Wegseite wechselt, ohne gleich mit einer Ohrfeige zu drohen, die eine/n vorbei lassen, die gemütlich fahren und nicht nur rasen.
Ich frage mich immer warum nun auch Radfahrer so gehetzt sind? Früher (ich bin 55) hatte das Radfahren mit Gemütlichkeit zu tun (das Lied von meinem Landsmann Yves Montand "À bicyclette" ist ein gutes Beispiel dafür). Jetzt hat sich das Radfahren dem allgemeinen Hetzetrend angepasst und mit ihren komischen Klamotten und Helmen und Brillen sehen manche Radfahrer wie gefährliche Insekten aus einem anderen Planeten...
Und die Autofahrer in ihren Semmelpanzern in der Stadt sind echt oft furchterregend oder zumindest respekteinflößend.
Nichtsdestotrotz war ich mächtig stolz mir ein wunderschönes, neues Rad im Sommer 2012 kaufen zu können und hoffe weiterhin viele gemütliche Kilometer damit ohne Unfall fahren zu dürfen.

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Seit: Jan. 2012
Beiträge: 10
Kommentar von laurence
15.02.2013, 20:43 Uhr

PS: es gibt auch noch die Kamikazenradfahrer, die ohne Licht schon fahren und nun in München besonders begünstigt werden, dadurch dass sie Einbahnstraßen benützen dürfen, was manchmal zu unübersichtlichen Situationen führt... man versteht nicht mehr, wozu es überhaupt noch Verkehrsregeln gibt??

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Kommentar von Becker
19.02.2013, 13:22 Uhr

Autofahrer passen nicht auf. Sie beschäftigen sich mit allem Möglichen: Rauchen, Handy, Navi, Karte lesen, u.v.a.m. Ich wurde auf einem Zebrastreiben (Fuß- und Radüberweg) von einer PKW-Fahrerin angefahren, am sonnenhellen Nachmittag. Sie will mich nicht gesehen haben. Und das orange Blinklicht der Ampel auch nicht. Und die volle Kreuzung nicht. Vielen Dank! Ich wurde erheblich lädiert, kann froh sein, daß es nicht noch schlimmer war. Ihre Kippe qualmte im Auto-Aschenbecher während sie mich auf der Kreuzung liegen bleiben hieß. Vielen Dank auch. Dumme Nuß. Nein, es war keine Waffengleichheit. Ein Auto ist ein Mordinstrument. Sie rief mich dann im Krankenhaus an um mir zu sagen, daß sie mich nicht gesehen habe, weil wir keinen Augenkontakt hatten. Zynismus! Nein Augenkontakt habe ich auch in Zukunft nicht mit hirnlosen Rasern, dann habe ich genug damit zu tun, mich in Sicherheit zu bringen. Was ist ihr passiert? Nichts. Nur eine Kippe sinnlos verqualmt und ein harmloses Bußgeld. Ich hingegen habe jetzt immer Angst, nicht gesehen zu werden. Ich fahre jetzt auch mehr mit dem Auto - ist sicherer.

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Kommentar von M
11.03.2013, 21:16 Uhr

Energtisch nachhaltige gesellschaftsverträglich eigenmobile Leistungsträger haben alle Probleme innerstädtischer Mobilität gelöst. Dennoch findet immer noch eine systematische Benachteiligung der ENGEL statt, die am ehesten mit Segregation und noch nicht mal equal but not same beschrieben werden kann. Leider wird so gut wie nichts gegen die Blockade in den Köpfen getan. Es bleibt bei Lippenbekenntnissen der Veranwortlichen und einer geradezu schamlosen alltäglichen Verachtung der ENGEL.

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Seit: Jan. 2012
Beiträge: 10
Kommentar von laurence
20.03.2013, 11:47 Uhr

Aber einen toten Winkel im Auto hat man manchmal schon, dass stimmt.

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(Was ist das Gegenteil von fest?)

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