Kapitalismus am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Aktionsform:

Veranstaltungsreihe

Website:

unsicherheit.tk

Ziel:

Wie hängen kapitalistische Krisen und Überwachung zusammen, welche Widerstandsmöglichkeiten gibt es?

Mitmachen:

Diskutiert mit uns über Krise und Überwachung - und werdet aktiv!

Der Kapitalismus ist in der Krise. Wieder mal. Beziehungsweise immer noch.

Ob er diesmal zusammenbricht, ist unklar - aber seine Nerven liegen schon blank. Ideologische und technische Aufrüstung nach innen und außen flankieren das Krisengeschehen und werden durch unterstellte oder reale Drohszenarien legitimiert. So verschärften sich im Laufe der Krise die sozialen Verwerfungen in einigen Ländern derart, dass sie inzwischen die bestehenden Ordnungen tatsächlich bedrohen (die SaU grüßt die PIGS). Aber nicht die ärgsten sozialen Auswirkungen der Krise werden bekämpft, vielmehr wird der Gefahr, die von diesen Verwerfungen für die etablierte Ordnung ausgeht, mit verstärkter Kontrolle begegnet. In anderen Bereichen ist die Krise eine willkommene Gelegenheit, in der Schublade schlummernde Pläne umzusetzen, für die die Krise als legitimatorischer Rückenwind dienen soll.

Neuere Kontrollmaßnahmen greifen im Gesundheitssektor, in den sozialen Sicherungssystemen, der Arbeitsplatzüberwachung und den Kommunikationsmedien. Die Krise zeigt Effekte auf die geschlechtlich ungleiche Verteilung von Reproduktions- und Pflegearbeit und strukturelle Ungleichbehandlungen auf dem Lohnarbeitsmarkt. Diskurse um Kürzungen im sozialen Sektor werden rassistisch aufgeladen. Rassismus bleibt jedoch nicht auf der diskursiven Ebene stehen, sondern zeigt sich auch in der Aufrüstung der europäischen Grenzen. Mit neuen Polizeistrategien sollen Krisenproteste und potentieller Widerstand der anwachsenden Zahl der Prekarisierten und „Überflüssigen" nach Möglichkeit verhindert werden. Kämpfe in Städten werden zunehmend zu Kämpfen um Wohnraum und konkrete Lebensbedingungen. Diese werden verschärft durch Auswirkungen der Krise auf den städtischen Immobilienmarkt.

Dass die Überwachungs-, Kontroll- und Disziplinierungsmaßnahmen, zu denen in Zeiten der Krise gegriffen wird, keine willkürlichen Überschlagshandlungen sind, wird klar, wenn wir sie in ihrem gesellschaftlichen Kontext betrachten: als Überwachung im Kapitalismus.

Kapitalismus unterliegt schon immer einem permanentem, krisenhaften Wandel. Besonders in den großen Krisen ist der Kapitalismus gezwungen, sich neu zu formieren. Die Neuformierung - sei sie bedingt durch ökonomische Faktoren oder durch Verschiebung der Kräfteverhältnisse aufgrund von sozialen Bewegungen - führt nicht nur zu neuen wirtschaftlichen Strategien. Veränderungen finden in vielen gesellschaftlichen Bereichen statt und werden entweder diskursiv legitimiert oder notfalls auch mit Gewalt durchgesetzt.

Unabhängig davon wie sich der Kaputalismus nach einer Krise ausrichtet, muss er in alle möglichen Richtungen abgesichert werden. So ging der Kapitalismus seit seinen Anfängen mit unterschiedlichen Formen von Disziplinierung einher. Er war und ist in seinen verschiedenen Phasen immer flankiert von verschiedenen Überwachungs- und Kontrollregimen, zum Beispiel um Eigentum zu sichern, Arbeit zu überwachen oder „Überflüssige" zu kontrollieren. Durch diese sich immer wieder erneuernden Strategien kapitalistischer Vergesellschaftung ergeben sich wiederum auch veränderte Anforderungen an die Überwachungsinstrumente.

In Rahmen dieser Veranstaltungsreihe sollen Krisendynamiken in den verschiedensten Bereichen diskutiert werden. Dabei wird nicht nur die aktuelle Krise seit 2008 und ihr Verhältnis zu neuen Kontroll- und Überwachungstechniken betrachtet. Berücksichtigung finden auch vorhergehende Krisen, um zu verstehen, wie diese, und insbesondere der Umgang mit ihnen, gesellschaftliche Strukturen verändern.

Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU]

http://unsicherheit.tk

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Die Veranstaltungen finden jeweils um 19 Uhr statt, entweder in der Marianne (Mariannenstr. 6) oder im k-fetisch (Wildenbruchstr. 86). Beide Orte sind rolligerecht.

Teilweise werden die Vorträge in deutsche Gebärdensprache gedolmetscht. Sobald feststeht, welche Vorträge gedolmetscht werden, aktualisieren wir den jeweiligen Termin.

Mit unserer Mailingliste verpaßt ihr keine Veranstaltung.


April 2013

do 4.4. Kapitalismus am Rande des Nervenzusammenbruchs
// Georg Fülberth, [SaU] // k-fetisch

do 11.4. Soziale Reproduktion in der Krise - Care Revolution als Perspektive
// Gabriele Winker // marianne

di 16.4. Aufstände und Protestbewegungen am Rande der Festung Europa
// Helmut Dietrich // marianne

di 23.4. Computerisierte Arbeit in neoliberalen Zeiten: Prekarität beißt Kreativität
// Nadine Müller // marianne
Mai 2013

do 2.5. Die Polizei des Neoliberalismus
// Kendra Briken, Volker Eick, Jenny Künkel // k-fetisch

do 9.5. Konjunkturen der inneren Sicherheit
// John Kannankulam // marianne
VERSCHOBEN AUF DEN 23.5.

di 14.5. Rassistische Diskurse in der Krise
// Vassilis S. Tsianos, Sebastian Friedrich // marianne

di 21.5. Krisen, Sündenböcke und Repression
// Dirk Stegemann // marianne

do 23.5. Konjunkturen der inneren Sicherheit
// John Kannankulam // marianne

di 28.5. Produktion von Unsicherheit - Immobilienwirtschaft im gegenwärtigen Krisengeschehen
// Kris Maschewsky // marianne
Juni 2013

di 4.6. Gebildet oder Gefährlich?! Jugend in der Krise
// Anika Duveneck // marianne

do 13.6. Über den Zusammenhang von Finanzkrise, Antisemitismus und Rassismus
// Claudia Globisch // marianne

di 18.6. Hauptsache gesund! - Krise und Kontrolle im Gesundheitsbereich
// Nadja Rakowitz // marianne

do 20.6. Endlich Krise?! Widerstand in Zeiten der Krise - Podiumsdiskussion
// diverse Aktivist_innen // k-fetisch

 

Themenkategorien:

Globalisierung / Entwicklung / Migration, Antifaschismus, Soziales / Arbeit, Bildung / Familie / Gesundheit, Medien / Digitales, Gender, Ökonomie / Finanzen, Freiräume / Subkultur, Politik / Demokratie / Recht, Frieden / Antimilitarismus, Verkehr / Stadtentwicklung
3 Kommentare
1
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Kommentar von FaktenStattFiktion
08.04.2013, 14:25 Uhr

Ach, ich dachte die taz stünde kurz dem Zusammenbruch, die haben nicht einmal bemert wie Maggie Thatcher verstorben ist.

Nun ja... andere haben bis jetzt nicht bemerkt, dass der Kommunismus verstorben ist...

2
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Kommentar von winter
09.04.2013, 06:21 Uhr

Der Kapitalismus ist immer in der Krise und hat ewige Kriege,
er beruht auf Ausbeutung und Pluenderung bis hin zur Ver-
sklavung. Er sollte sich endlich zum Wohl der Menschheit ver-
abschieden!!!

3
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Kommentar von Fakten
12.04.2013, 17:48 Uhr

@Fiktion: Na, da haben Sie die allgegenwärtige antikommunistische Propaganda in den Verblödungsmedien ja gut inhaliert.

Warum die das wohl andauernd runterleiern müssen? Eigentlich klar - schon jedes Kind muss zum Fatalisten und gläubigen Untertanen werden: Es gibt keine Alternative!

Gab und gibt es aber doch. Wer allerdings nicht verstanden hat, was Sozialismus/Kommunismus ist - nicht die Unterdrückung der Arbeiterklasse durch eine privilegierte bürokratische Kaste wie im Stalinismus - sollte sich mit seinen Phrasen in wenig zurückhalten.

@winter: Für den Sommer muss die breite Masse der lohnabhängigen Menschen in diesem Fall schon selbst sorgen. Freiwillig wird die herrschende Klasse nicht abtreten.

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