Mein Herz schlägt links

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08.07.2017, 21:41 Uhr

G20 in den Medien: Hofberichterstattung und böse Globalisierungsgegner

G20 Proteste in Hamburg Autonome

Screenshot G20 Proteste in Hamburg 2017

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

„Für die Kritiker sind die G20 ein Durchsetzungsorgan der Mächtigen und Reichen gegenüber den Ohnmächtigen und Armen dieser Welt, ohne jegliche demokratische und rechtliche Legitimation. Von Globalisierung und Freihandel in seiner jetzigen Form profitiere nur eine Minderheit. Die Schere zwischen Arm und Reich werde dadurch nur weiter. Noch immer stehe Wirtschaftswachstum an erster Stelle vor Klimaschutz. Hilfszusagen etwa für Afrika seien vor allem Lippenbekenntnisse. Nur ein Teil der versprochenen Gelder würden auch bereitgestellt, von diesen würden viele im Korruptionssumpf versickern.“ (BZ vom 02.07.2017)

Eine der wenigen Zusammenfassungen der Gründe und Motive für die G20-Proteste in den Mainstreammedien. Interessanter war für die Zeitungen und vor allem die Fernsehkanäle, die Randale im Hamburger Schanzenviertel.

Die schönen Angepassten gegen die hässlichen Unangepassten?

Der gestrige Fernsehabend ist gelaufen. Auf allen Nachrichtenkanälen lief dieser absurde Mix. Feuer auf den Straßen in Hamburg Altona, entsetzt und pikiert kommentiert von hübsch gestylten jungen Journalistinnen. So gut wie jeder Nachrichtenkanal, ob ntv, N24, Phönix und RTL boten dieses Kontrastprogramm. Die Kommentare kamen unisono aus den hübschen Mündern der Karrieristinnen, die eifrig die Gefahrenlage analysierten, aber kein Wort über die Inhalte der Proteste verloren.

Die Kameras hielten dabei den ganzen Abend auf dieselben Brennpunkte, im wahrsten Sinne des Wortes, und zeigten vor allem viele junge, nicht ganz so gut gestylte Leute, die ein Spektrum zwischen Zuschauern, Sympathisanten und Aktivisten zu bilden schienen, welches die Bilder der G20 Proteste bestimmte.

Auf der Straße fanden sich dann auch nur die Journalisten, die bärbeißig, stämmig und behelmt nicht so gefährdet erschienen und ebenfalls alle dasselbe erzählten. Man überbot sich in Verurteilungen der gewalttägigen Demonstranten aus der autonomen Szene und ihrer Mitläufer.

Die Medien wurden dabei von den “Hässlichen” massiv geschmäht. Kein Sender konnte es sich erlauben, sein Logo mitzuführen, alle liefen inkognito durch das Schanzenviertel und manche wurden trotzdem vor laufender Kamera angefeindet. Auch von Links (gemeint ist echt-links) haben die Medien inzwischen kein Vertrauen mehr.

Die Gewalt hat eine Aussage!

Aber warum soll man sich bei Oberflächlichkeiten aufhalten, wenn es in Wirklichkeit um Fundamentales geht. Die Hässlichkeit der Gewalt war gewollt, denn bei den G20 geht es um Gewalt, was gezeigt werden sollte.

Die reichen, mächtigen G20 verabreden sich nämlich auch dieses Jahr in Hamburg mit dem Hauptziel,  arme Länder unter Druck zu setzen, Freihandelsverträge zu unterschreiben, die dort bestenfalls für die Eliten von Vorteil sind, weite Teile der Bevölkerungen aber zu Importsklaven degradiert und kleine Gewerbetreibende und Bauern kaputt konkurrieren. Ausgerechnet der Exportweltmeister Deutschland hat eine ganz schlechte Tradition in solchen bilateralen Handelsverträgen mit den Mächtigen (Diktatoren) der Ohnmächtigen (Länder), insbesondere, was Afrika angeht. Die EU hat das dann einfach nachgemacht und inzwischen reihen sich die Skandale wie auf einer Perlschnurkette, die immer länger wird. Insbesondere kleine Landwirte in Afrika werden von europäischen und amerikanischen Lebensmittelkonzernen kaputt konkurriert. Die Freihandelsverträge bieten die Grundlage dafür.

Was ist das anderes, als Gewalt, wenn die Menschen um ihr Brot gebracht werden?

Genau das wollen die G20-Aktivisten zeigen. Kein Wort davon in den Medien!

Stattdessen Hofberichterstattung ohne Ende. Aus der Elbphilharmonie, vom Social Dinner (warum bloß social?) der Reichen und Mächtigen. Gewürzt mit diversen Klatschgeschichten und am Ende dem vollständigen Unverständnis für die Gewalt auf der Straße.

Unsere Medien haben keinerlei kritische Distanz zu den Mächtigen mehr. Ihre Shareholder, Brotempfänger und Hoffnungsträger sitzen am selben Tisch mit denen, die sie eigentlich kritisieren sollen.

Auch das hat der gestrige Fernsehabend aus Hamburg gezeigt.

Zuletzt gab es noch ein Kamingespräch mit dem selbstzufriedenen Transatlantiker, Joschka Fischer (ehemals selbst ein Aktivist). Auf Phönix wurde dann in beschaulicher Wannseekulisse der fundamentale Wandel dieses Politikers, stellvertretend für eine ganze Schicht einer ehemals linken Elite deutlich:

Fischer verabscheute die Proteste in Hamburg und redete den Medien gut zu. Man solle doch selbstbewusst weiter den Mainstream berichten, weil alles andere, was sich da anmaßt öffentliche Meinung oder gar Bericht zu sein, sowieso nur unprofessioneller Fake ist.

Dieser Artikel des Gedächtnisbüros also auch.

Na dann, auf nach Hamburg!

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(Was ist das Gegenteil von fest?)

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