Mein Herz schlägt links

Safe_image
E7d9aa4ffde4b6dca9a9b4e801495e57

Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD "Mein Herz schlägt links" Charta mehr »
23.10.2012, 23:05 Uhr

Armut ist Deutschland!

Armutsberichte werden vor allem deshalb erstellt, um die Ausgangssituation für einen möglichen sozialen Frieden oder Unfrieden zu skizzieren.

Das ist gut so, auch wenn  Armutsberichte immer fehlerhaft sind.

Armut ist eine Frage der Definitionshoheit.

Wer Armut wegdiskutieren will, argumentiert anders, als diejenigen, die Armut anprangern.

Gerade für einzelne Länder gilt: Es gibt keine allgemeingültige Regel.

Aber es gibt Armut.

Während in der Ukraine der Durchschnittsverdienst immer noch bei unter 200 Euro liegt, wovon die absolute Mehrheit der Bevölkerung leben muss, haben wir in Deutschland einen Durchschnittsverdienst, der von den Einkommensmillionären kräftig nach oben korrigiert wird und einer Oberschicht gestützt wird, während ein großer Teil der Bevölkerung weniger als den so errechneten Durchschnittsverdienst zur Verfügung hat.

Die Armutsgrenze liegt in Deutschland bei etwas über 900 Euro pro Person, was etwa 60% des Durchschnittsverdienstes von 1550 Euro pro Person entspricht.

Mit 900 Euro kommt man in Mecklenburg-Vorpommern noch so gerade über die Runden, in Hamburg aber nicht mehr.

Fakt ist, dass uns die EU in ihrem Armutsbericht attestiert, dass wir eine wesentlich höhere Armutsgefährdung als beispielsweise England oder Frankreich haben.

Erstaunlich ist dabei, dass wir zwar eine hohe Erwerbsquote haben, viele unserer Erwerbstätigen aber schlechter gestellt sind, als Arbeitslose in Frankreich und England.

Die Armutsgefährdung liegt unter Arbeitslosen dagegen in Deutschland mit über 68% an der europäischen Spitze.

Kein Zweifel, welche Statistik man auch nimmt, wie sind das Land der sozialen Ungleichheit und Unausgewogenheit in Europa.

Auch wenn andere Länder objektiv ärmer sind, sind wir die Spitzenreiter in Sachen sozialer Ungerechtigkeit.

Nun kann man lange darüber diskutieren, was Armut eigentlich ist.

Man sollte auch darüber diskutieren, weil es ohne Gerechtigkeit auf Dauer keine friedliche Gesellschaft geben kann.

Trotzdem gibt es Zwischenlösungen, wie man trotz steigender Ungleichheit, eine Gesellschaft ruhig halten kann.

Wir Deutschen fahren derzeit eine solche Zwischenlösung.

Unsere hohe Erwerbsquote und ein aggressives und rigides Sozialsystem, das Arbeitslose unter Druck setzt, sorgen dafür, dass auch Menschen, die von ihrem Gehalt nicht leben können, an die Arbeit gehen, statt auf die Straße.

Protest wird durch Erwerbszwang verhindert und durch staatliche Aufstockung unterlaufen.

Die Gewerkschaften fahren dabei einen Kurs der Ausgrenzung und machen sich vor allem für die besser gestellten Arbeiter stark.

Man könnte auch sagen, dass die Gewerkschaften eine Klientel bedienen, das sich die hohen Gewerkschaftsbeiträge noch leisten kann.

Darunter herrscht der Dschungel!

Hinzu kommt eine massive Verleumdungskampagne des bürgerlichen politischen Lagers gegen Langzeitarbeitslose und Aufstocker, die in der Gesellschaft massive Ängste vor der Stigmatisierung ausgelöst hat.

Auch die SPD hat dieses Gift in hohen Dosen in die Gesellschaft gespritzt.

Ich denke nur an Münteferings: „Wer essen will, soll auch arbeiten,“ womit er wohl meinte, dass er Arbeitslose gern auf Diät setzen würde.

Die Entstehung des Billiglohn-Sektors ist maßgebliches Verdienst der SPD!

Eine Partei, die sich jetzt anschickt, soziale Gerechtigkeit zum Wahlkampfthema zu machen, und Mindestlöhne fordert, die sie in ihrer Regierungszeit vehement abgelehnt hat.

Was macht man nicht alles, um an die Macht zu kommen.

Die Machtfrage eröffnet aber noch eine andere Perspektive auf das Thema, Armut.

Wie schaffen es unsere Eliten, das Volk allmählich in die Armut zu schicken, wohlgemerkt ist jetzt schon jeder Sechste armutsgefährdet, und zugleich das Bewusstsein zu erzeugen, dass wir in einem reichen Land leben?

Man schafft Tatsachen!

Eine Tatsache ist, dass unsere Durchschnittseinkommen nur deshalb in den letzten Jahren nicht massiv abgestürzt sind, weil eine fette Oberschicht kräftig zugelangt hat und damit den Schnitt nach oben gezogen hat.

Gleichzeitig werden Armutsberichte, die solche Tendenzen speziell für Deutschland dokumentieren, wie der derzeitige EU-Bericht, aber auch die Armutsberichte der Sozialverbände, massiv angegriffen.

In erster Linie der Angreifer stehen deutsche Wirtschaftsinstitute, bei denen sich unsere Leitmedien kräftig bedienen, damit nicht wahrgenommen wird, was nicht sein darf.

Die Deutschen sind im Schnitt ärmer, als ihre europäischen Nachbarn und sie leisten sich eine zunehmende Verarmung der unteren zwei Drittel der Bevölkerung.

Von der Bildung bis zu den Einkommen brechen wir sozial auseinander.

Die andere Methode, Armut öffentlich wegzudiskutieren besteht darin, den wirtschaftlichen Erfolg und die Führungsrolle Deutschlands in Europa zu betonen.

Eine Ideologie, die deshalb besonders abartig ist, weil sie auf den gequälten Rücken von immer Menschen ausgetragen wird.

Die Profite deutscher Firmen sind die Verluste deutscher Arbeitnehmer und haben nebenbei dazu beigetragen, dass ganz Südeuropa derzeit ins soziale Abseits driftet.

Unsere exportoientierte Angebotspolitik führt nämlich genau zu den Handelsbilanzdefiziten für südeuropäische Länder, die neben der Staatsverschuldung dort auch die Massenarbeitslosigkeit verursacht hat.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Deutschland im Jahre 2012 ein sozial krankes Land geworden ist und seine Eliten ihre kranke Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit gerade nach ganz Europa transportieren.

Mit erheblichem Erfolg.

Er auch immer der Zahlmeister für Europa ist, die großen deutschen Unternehmen und die Oberschicht des Landes sind es nicht.

Sie sind die Geier Europas. Geier leben von Elend, Not und Aas.

Wer aber den Geiern der Gesellschaft das Feld überlässt, hat selber Schuld!

Solidarisiert Euch!

Umfairteilung jetzt!

S.Paulsen, Berlin

Tags:
2 Kommentare
1
Img_0295_78x78c
Seit: Mär. 2012
Beiträge: 48
Kommentar von spaulsen
23.10.2012, 23:12 Uhr

Es braucht wesentlich mehr Proteste, um soziale Fairness in unserem Land wieder herzustellen. Die Mechanismen mit denen das verhindert wird, stelle ich hier und auf Mein-Herz-Schlaegt-Links.de dar.
Ich hoffe auf eine lebhafte Diskussion!

2
Ae76d77b61b731055fd8f262602dce20
Kommentar von Günther Gruchala
24.10.2012, 16:09 Uhr

Die klare und richtige Analyse, erscheint morgen auf http://www.mein-herz-schlaegt-links.de

Kommentar schreiben:
(Wir nannten ihn Birne - eigentlich heißt er Helmut ...)

Blogarchiv...

Btn-rss