Mein Herz schlägt links

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Mein Herz schlägt links

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24.10.2012, 22:52 Uhr

Tontaubenschießen

Schwachstellen ausloten und dann den politischen Gegner genau dort anzuzielen, zählt zum Alltagsgeschäft von Politikern.

Gern ziehen dann die Medien mit, weil ein „fallender Held“ immer genug Aufmerksamkeit erzeugt, um Auflage zu machen.

Von copy-and paste-Dissertationen, über die Gewährung von politischen Vorteilen für Freunde bis hin zu gewaltigen Vortragshonoraren bei den Wirtschaftsverbänden taugt inzwischen alles, um politische Gegner zu beschädigen.

Eigentlich ein unappetitliches Spiel, wenn es nicht so verdammt real wäre.

Politiker bewegen sich auf tönernen Füssen und verlieren zunehmend häufig die Nerven. Sie vergessen bei ihren politischen Steinwürfen häufig, dass sie selbst im Glashaus sitzen.

Eine dumme Sache für Frau Schavan, die sich, noch nicht lange her, über die mangelhafte akademische Qualität von Kollege Gutenberg aufgeregt hat.

Nun hat sie selbst einen angeschossenen Hinterlauf und hinkt durch das politische Berlin.

Es scheint fast so, als würden sich die Politprofis nun der Tatsache bewusst, dass sie auf tönernen Füßen durch ihr Leben wanken.

Statt aber schön ruhig zu bleiben, machen sie sich bereit zum Tontaubenschießen, wobei die Schrotladungen immer öfter krachen.

Der Fall Steinbrück ist jetzt erstmal erledigt, weil die SPD-Spitze kräftig zurückgeballert hat und ein paar Unionskollegen Angst bekamen, dass Steinmeier und Konsorten tatsächlich ernst machen mit den schärferen Transparenzregeln für Nebeneinkünfte von Abgeordneten.

Aber das war doch nur ein taktisches Manöver.

Kaum vergessen und schon kommt die nächste Runde.

Nach Christian Wulff, der in ehrlicher Empörung eine zumindest private Reportage über seine Verwandtschaft verhindern wollte, ist nun der CSU-Sprecher, Strepp ins Visier geraten, weil er beim ZDF angerufen habe und allen ernstes eine Reportage über den SPD Landesparteitag im heute-journal verhindern wollte.

Bum, da ist man platt!

Ein einmaliger Vorgang poltert das ZDF und nimmt den CSU-Sprecher unter Feuer.

Wirklich?

Kein einmaliger Vorgang, wenn man nüchtern nachdenkt.

Ein Profi wie Strepp macht so etwas nicht zum ersten Mal!

Auch der drohende, wenn auch indirekte Verweis auf die starke Position der CSU im Rundfunkrat, müsste doch eigentlich aufhorchen lassen.

Statt aber etwas grundsätzlicher nachzudenken, werden die tönernen Füße von Herrn Strepp herzhaft geschrotet.

Dieser Fall eines Politprofis, der plötzlich auf Widerstand stößt, zeigt sehr schön, wie routiniert bei den Leitmedien Einfluss genommen wird.

Die Einflussnahme ist sogar schon soweit gediehen, dass der nervöse CSU-Sprecher diesmal aufs Ganze ging und ganz unverblümt am Telefon gedroht hat.

Dies war dann offensichtlich die „rote Linie“, die den Beschuss ausgelöst hat.

Absolut sicher, dass die Einflussnahme auf die Berichterstattung vorher subtiler und effizienter, aber eben nicht mit direkten Drohungen, wie in einem Repressions-Staat abliefen.

Wie alle diese Fälle zeigt auch der Fall Strepp die berühmte Spitze des Eisberges und die Enthemmtheit von Politikern, die in die Enge getrieben, meinen, nichts mehr zu verlieren zu haben.

Die SPD ist in Bayern fast gleichauf mit der CSU.

Ein Novum seit Längerem mal wieder und eine Krise für die Schwarzen.

Politiker reagieren dann mit Flucht nach vorn indem sie die Maske fallen lassen.

Sie bauen auf den Schockfaktor und hoffen, dass sie eine kurze Einschüchterung aus der Klemme befreit.

Frei nach dem Motto von Kurt Beck, einem großen Machtfaktor im Rundfunkrat, der auf dem Höhepunkt seines persönlichen Skandals um den Nürburgring und kurz vor seinem Rücktritt vor laufender Kamera mal eben einen kritischen Passanten zusammenstaucht:

„Können Sie nicht mal das Maul halten, einfach mal das Maul halten?!“

Dann dem verdutzten Journalisten sagt: „So können wir jetzt noch mal von vorne anfangen?“

In einem Beitrag, in dem es um mehr Bürgerbeteiligung gehen soll, für die sich Herr Beck dann auch offiziell stark machte.

Dieses verquere Verhalten zeigt schlicht und einfach, dass unsere politische Elite wie selbstverständlich davon ausgeht, die Medien zu ihren Gunsten manipulieren und die Bürger bei Bedarf ruhig stellen zu können, damit sie ihrem schmutzigen Tagesgeschäft in Ruhe weiter nachgehen können.

Die tönernen Füße, auf denen ihre Macht steht, bemerken sie erst dann so richtig, wenn ein anderer sie unter ihnen wegschießt.

Dieses Verhalten bestimmt zunehmend unser politisches und mediales Tagesgeschäft.

Phänomenal in sofern, als es äußerst demaskierend wirkt.

Ein Affront gegen die Demokratie und die Pressefreiheit und die Idee von einem korruptionsfreien Rechtsstaat.

Ein Affront, der immer öfter kommt, fast so, als könnten unsere Politiker nicht mehr an sich halten!

Was kommt als nächstes?

Merkel, die ihrer Partei Redeverbot erteilt, mit den Worten: „Ihr habt doch sowieso schon lange nix mehr zu sagen!“

Oder Steinbrück der in irgendeiner Katerstimmung öffentlich zugibt:“ Klar, bin ich ein Mann der Wirtschaft, oder glaubt Ihr mich interessieren die Scheiß-HartzIV-Empfänger, die sowieso nur „die Linke“ wählen?!“

Man darf gespannt sein!

Sönke Paulsen, Berlin

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(Welche Partei ist neoliberal und gelb?)

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