Mein Herz schlägt links

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Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD "Mein Herz schlägt links" Charta mehr »
19.01.2013, 21:23 Uhr

Wir haben Agrarindustrie satt!

Sönke Paulsen, Berlin

Heute fand eine wichtige Demo gegen die Agrarindustrie statt.

Es geht um ein stärkere Regulierung auf dem Agrarmarkt, insbesondere was die Massentierhaltung, die zunehmenden Monokulturen, den exzessiven Pestizid und Düngeeinsatz in Verbindung mit Gentechnik angeht.

Clearfield-Raps von BASF ist so ein Beispiel.

Die Sorte ist weitgehend Pestizidresistenz und kann nach dem Anbau nicht mehr zurückgespritzt werden.

Über Streuverluste und Insekten kommt es dann zu einer möglichen unkontrollierten Ausbreitung dieser Rapssorte, die schlimmer ist, als jedes Unkraut.

Viel bedenklicher finde ich aber, dass dieser Raps-Hybrid gerade dafür entwickelt wurde, stärker wirksame Pestizide auf den Feldern einsetzen zu können, um ein so genanntes sauberes Feld herzustellen.

Sauber mag das Feld im weitesten Sinne sein, wenn man über konkurrierende Pflanzen spricht, das Grundwasser aber ist gefährdet.

In Niedersachsen ist es ohnehin schon so, dass die Hälfte des Grundwassers so belastet ist, dass man mit dem Trinkwasser keine Babynahrung mehr herstellen darf.

Zur Eröffnung der Grünen Woche in Berlin sprach auch der Deutsche Bank-Chef Fitschen.

Eine seiner Botschaften war, dass die Deutsche Bank sich keinesfalls aus dem spekulativen Geschäft mit Nahrungsmitteln zurückziehen wird.

Er nennt dafür wirtschaftliche Argumente und Kundeninteressen.

Fitschen bestreitet, dass Nahrungsmittelspekulationen die Preise für Lebensmittel auch in den armen Ländern antreibt.

Die EU fördert derweil die Agrarindustrie ungeachtet ihrer Tendenz zu Monokulturen, exzessivem Energiepflanzenanbau, einer Zerstörung der Kulturlandschaften, Verpestung der Umwelt und der Nahrungsmittel mit diversen Medikamenten, ohne die Massentierhaltung gar nicht mehr möglich wäre.

Eine Reform der Agrarförderung wäre dringend erforderlich, wird aber vom Ministerium Aigner torpediert.

Neben der Förderung von biologischer Landwirtschaft wäre auch eine Schwerpunktförderung kleiner Landwirtschaften zum Erhalt der Kulturlandschaften dringend erforderlich.

Solche Pläne und Projekte existieren sogar schon in Brüssel, stellen aber nur einen Bruchteil der EU-Agrarförderung dar.

Mit dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise und dem zunehmenden Anbau von Energiepflanzen zur Biogaserzeugung steigen die Hektarpreise sowohl beim Kauf, als auch bei der Pacht.

Inzwischen sind landwirtschaftliche Flächen vielerorts Spekulationsobjekte, da weiter mit steigenden Landpreisen gerechnet wird.

Das Problem ist auch hier. Die kleinen Landwirte, die ohnehin auf dem Rückzug sind, überlegen sich, ob sie verkaufen, solange die Preise noch hoch genug sind.

Zukaufen von Land zur Erreichung ökonomischer Betriebsgrößen kommt für diese Bauern nicht in Frage. Die Preise sind bereits viel zu stark abgehoben.

Die ganze Entwicklung geht also tatsächlich in Richtung einer hoch industrialisierten Landwirtschaft, in der nur noch Großbetriebe eine Chance haben.

Wie wenig die bereit sind auf ökologischen Landbau umzusteigen, zeigt der jährliche Agraratlas Deutschland, der im Internet zur Verfügung steht.

Besonders absurd ist bei einem spekulativ deregulierten Nahrungsmittel und Agrarsektor die extreme Höhe der Subvention, die solche Großunternehmen von der EU kassieren können.

Hier wird also brutaler Kapitalismus zum Nachteil der Natur und der Allgemeinheit, ja sogar zum Nachteil ärmerer Länder, im höchsten Maße mit Steuergeldern subventioniert.

Der Hintergedanke einer solchen Industriepolitik mag sein, dass mit der Bevölkerungsexplosion die Nahrungsmittel in den nächsten 30 Jahren langsam knapp werden könnten und dann weniger importiert werden muss, wenn es in Europa eine schlagkräftige Agrarindustrie gibt.

Ein weiterer Hintergedanke kann die Stützung des europäischen Maschinenbaus, der Chemie und der Pharmazie sowie der Biotechnologie sein.

Denn all das wird zwar in Europa entwickelt, aber auch in großem Umfang auf dem Weltmarkt verkauft.

Man muss sich aber fragen, ob diese Industrien wirklich künstlich gestützt werden müssen. Erhebliche Zweifel sind angebracht und eher die Vermutung erlaubt, dass in Brüssel die Korruption und der Lobbyismus diese Gelder einer besseren Verwendung vorenthält.

Zusammenfassend ist die heutige Demonstration tatsächlich mit einem hochaktuellen und brisanten Thema auf die Straße gegangen, zu einem Zeitpunkt, wie er in Berlin nicht besser gewählt sein könnte.

Derzeit läuft die Grüne Woche, die größte Landwirtschaftsausstellung der Welt.

Trotz der 25000 Teilnehmer der Demo scheint es , dass die Zusammenhänge und der dringende Handlungsbedarf gegen die Agrarlobby von vielen, auch aufgeklärten Menschen nicht hinreichend gewürdigt werden.

In einigen Blogs wird daher nach einer besseren Öffentlichkeitsarbeit gefragt und ein Lable für diese Bewegung vorgeschlagen, dass ähnlich aussagekräftig wie das Anti-Atom-Lable ist.

Wer Vorschläge hat, möge sie hier veröffentlichen oder an Mein-Herz-Schlägt-Links schicken.

Wir werden sie dann veröffentlichen und weitervermitteln.

Die Website der Bewegung findet sich hier:

http://www.wir-haben-es-satt.de/start/home/

Mailadresse: mein-herz-schlaegt-links@googlemail.com

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1 Kommentar
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Kommentar von Günther Gruchala
25.01.2013, 17:45 Uhr

Ein klasse Artikel Sönke.

Kommentar schreiben:
(Spontispruch: Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie ...)

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