Dokumentationszentrum Prora

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Dokumentationszentrum Prora

Das Dokumentationszentrum Prora befindet sich in der Anlage des als „Koloss von Rügen" bekannt gewordenen ehemaligen „KdF-Seebad" Rügen in Prora. Der 4,5 km lange Komplex wurde im Auftrag der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" erbaut. 20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen. Das "KdF-Seebad" Rügen war ein w... mehr »

Adresse:

Objektstraße
18609
Prora

Das Dokumentationszentrum Prora befindet sich in der Anlage des als „Koloss von Rügen" bekannt gewordenen ehemaligen „KdF-Seebad" Rügen in Prora. Der 4,5 km lange Komplex wurde im Auftrag der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" erbaut. 20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen.

Das "KdF-Seebad" Rügen war ein wichtiger Bestandteil der sozialpolitischen Propaganda des NS-Regimes. Als größte bauliche Hinterlassenschaft des "Dritten Reiches" ist Prora sowohl bauhistorisch als auch sozialhistorisch von erheblicher Bedeutung und zentraler Ausgangspunkt der Dauerausstellung MACHTUrlaub, welche seit dem 30. Juli 2004 im Dokumentationszentrum Prora zu sehen ist.

Die Ausstellung MACHTUrlaub thematisiert die Geschichte von Prora und stellt sie in den Kontext der nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik, die zentral durch den Begriff der "Volksgemeinschaft" geprägt wurde.

Der erste Teil der Ausstellung dokumentiert die Situation Rügens in der Zeit des Nationalsozialismus' und die Baugeschichte Proras von den ersten Planungen, über die Grundsteinlegung bis hin zur Nutzung im 2. Weltkrieg und in der DDR. Daneben zeigt die Ausstellung, welche Bedeutung das "KdF-Seebad Rügen" für die nationalsozialistische Propaganda hatte.

Im zweiten Teil der Präsentation werden die nationalsozialistische deutsche "Volksgemeinschaft" als ein ideologisches Konstrukt und die sie tragenden NS-Organisationen, die "Deutsche Arbeitsfront" und "Kraft durch Freude", vorgestellt. Die Ausstellung zeigt, wie diese Ideologie dazu diente, nicht erwünschte Volksgruppen (Juden, Kranke, Behinderte, politische Gegner wie Kommunisten und Sozialdemokraten) auszugrenzen und eine eingeschworene militante Gemeinschaft zu formen. Daneben zeigt sie den Gegensatz zwischen der sozialpolitischen Propaganda der Nationalsozialisten und der sozialen Realität im "Dritten Reich".
Die Besucher können an Videostationen historische Filme sehen. Interviews mit Zeitzeugen und andere Tondokumente sind an Audiostationen zu hören. Ergänzend zur Ausstellung wird im Kinoraum ein halbstündiger Begleitfilm zum "KdF-Seebad Prora" gezeigt.

Neben der Dauerausstellung MACHTUrlaub zeigt das Dokumentationszentrum Prora wechselnde Sonderausstellung mit Themen aus Geschichte, Architektur, Kunst, Natur und Politik. Über 40 Wechselausstellungen konnten seit 2000 gezeigt werden.

Darüber hinaus veranstaltet das Dokumentationszentrum Prora regelmäßig Lesungen, Vortragsabende, Zeitzeugengespräche und Diskussionsrunden zu Themen wie beispielsweise „Jüdischer Widerstand im Dritten Reich" oder „Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern".  Das Dokumentationszentrum Prora versteht seine Arbeit auch als Beitrag im Kampf gegen den Rechtsextremismus, der gerade in den ländlichen Räumen Mecklenburg-Vorpommerns seit einigen Jahren vermehrt Anhänger rekrutiert.

Täglich finden zwei öffentliche Führungen über das Gelände des ehemaligen „KdF-Seebades" Rügen an, daneben gibt es Sonderführungen für Schüler, Multiplikatoren und andere Gruppen.

Seit 2003 ist das Dokumentationszentrum Prora in der Jugendarbeit auf Rügen engagiert. Verbunden mit mehrmonatigen Schülerprojekten findet jedes Jahr eine Begegnungswoche zwischen Rügener Jugendlichen und ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern statt. Bereits 100 ehemalige polnische und tschechische Zwangsarbeiter und ca. 400 Teilnehmer von der Insel Rügen haben daran teilgenommen.

Daneben engagiert sich das Dokumentationszentrum Prora in der Stadt Sassnitz auf Rügen für die Verlegung von so genannten Stolpersteinen für Opfer des Nationalsozialismus. In den Jahren 2007/2008 wurden - im Rahmen des „Lokalen Aktionsplans" der Stadt Sassnitz - zusammen mit dem Künstler Gunter Demnig und Sassnitzer Schülern insgesamt 15 Stolpersteine zur Erinnerung an ehemalige Bürger der Stadt verlegt, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten getötet oder verfolgt wurden.