Verein i.G. Hausgemeinschaft Vorberg 3

Logo_gr_n_blog_large
E7d9aa4ffde4b6dca9a9b4e801495e57

Verein i.G. Hausgemeinschaft Vorberg 3

Der Verein soll helfen, den gewachsenen Charakter der Hausgemeinschaft in der Vorbergstraße 3 in Berlin-Schöneberg von Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft, Bildung, Einkommen, Familienstand und sexueller Orientierung zu bewahren. Zudem soll bezahlbarer Wohnraum in ganz Berlin erhalten bleiben und geschaffen werden. Der Verein ... mehr »

Adresse:

Vorbergstraße 3
10823
Berlin

Der Verein soll helfen, den gewachsenen Charakter der Hausgemeinschaft in der Vorbergstraße 3 in Berlin-Schöneberg von Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft, Bildung, Einkommen, Familienstand und sexueller Orientierung zu bewahren. Zudem soll bezahlbarer Wohnraum in ganz Berlin erhalten bleiben und geschaffen werden. Der Verein versteht sich als Teil eines Solidarzusammenschlusses von Mieter/-innen und Wohnungssuchenden im Mietshausbereich.

 

Über die Hausgemeinschaft

Wir Mieterinnen und Mieter leben gern und in der Regel auch meist schon sehr lange in der Vorbergstraße 3 in Berlin-Schöneberg. Wir sind überzeugt, dass Rendite-Interessen der Wertschätzung und liebevollen Pflege unseres Hauses unterzuordnen sind. Wir suchen nach einer Lösung, die den verschiedenen Interessen gerecht wird.


In unserem Haus leben Zeitzeuginnen, die die Geschichte des Kiezes, wie des Hauses und seiner Bewohner/innen zu erzählen wissen. Der älteste noch gültige Mietvertrag stammt aus dem Jahr 1935, eine weitere im Haus lebende Mieterin hat einen Vertrag von 1946.


Über die Jahre ist das Haus mit jedem Verkauf sehr viel wertvoller geworden. Modernisierungen haben ihre positiven Seiten wie ihre Schwachpunkte. Aber an die Substanz des Hauses ging es mit den Bauarbeiten für den Neubau der Vorbergstr. 4 nebenan.

 


Geschichte des Hauses


Nicht nur die jetzigen Mieter/innen finden, dass ihr Haus ein ganz besonderes ist, auch wenn die neuen Stuckelemente reichlich hohl sind und der Marmor nur aufgemalt. Schon beim Bau 1903 war das Haus besonders, hatte es doch von Anfang an eine Heizung. Erzählt wird, dass es im Besitz der Hamburg-Mannheimer Versicherung war und im 1. Weltkrieg zum Lazarett umfunktioniert wurde.

Aus Archiven ist belegt, dass zwei Wohnungen an Menschen jüdischen Glaubens vermietet waren. Die Familie Waldenstein konnte rechtzeitig emigrieren, Martha Trier aber wurde deportiert und ermordet. An sie erinnert der Stolperstein vor dem Haus.

Als das Haus 1992 verkauft wurde, lag der Kaufpreis - so wird es erzählt - bei 3,6 Millionen D-Mark. Danach wurde es mehrfach verkauft, inzwischen dürfte der Gesamtpreis bei mehr als 6 Millionen Euro liegen - so die Schätzung angesichts der den Mieter/innen angebotenen Quadratmeter-Preise und der etwa 2500 qm Gesamtfläche. Würden die jetzt beim Angebot im Internet aufgerufenen Preise realisiert, stiege die Summe entsprechend.

Die Rendite-Skala bleibt nach oben und unten offen.

 

 

Stolperstein Vorbergstraße 3 Berlin

Die Familie Waldstein, damals im Vorderhaus 1. Etage rechts wohnend, konnte rechtzeitig 1939 emigrieren. Der damals 16-Jährige Gerhard Waldstein lebt heute unter dem Namen Gerry Waldston in Kanada. Martha Trier wurde deportiert und ermordet. Ihrem Gedenken gilt der "Stolperstein" vor unserem Haus in der Vorbergstraße 3.

Man weiß nicht viel über ihr das Leben von Martha Trier. Wenig und Erschütterndes eröffnet sich aus der bürokratischen Abwicklung ihrer Deportation (Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam-Golm; Akte Rep. 36 A II Nr. 38247 des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg):


Martha Trier war am 20. Januar 1884 in Berlin geboren worden. Da sie jüdischen Glaubens war, wurde sie 57-jährig am 1. November 1941 nach Lodz deportiert - danach gab es keine Lebenszeichen mehr.


Als ledige Frau hatte sie seit Oktober 1932 in der Vorbergstraße 3 in Berlin-Schöneberg gewohnt, im 2. Stock des linken Seitenflügels. Bald schon musste sie den Zusatznamen "Sara" tragen und ihre Wohnung wurde zur "Judenwohnung Nr.687".


Zuletzt hatte sie als Buchhalterin und Stenotypistin in den Pertrix-Werken in Niederschöneweide, Sedanstraße 56b, gearbeitet. Ihr Lohn betrug 48 Pfennig pro Stunde. Die Pertrix-Werke zahlten nachträglich 26,92 RM für geleistete Arbeit an das Finanzamt Moabit, als Frau Trier schon deportiert und vermutlich schon ermordet worden war.


Vor der Deportation hatte Frau Trier eine "Vermögenserklärung" abgeben müssen (Gesetz über die "Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens" vom 14. Juli 1933).


In das Formular trug sie ihren Besitz ein und unterzeichnete es am 26.10.1941:


Schlafkammer: Schrank, Bett, Nachttisch, Waschtisch, Stuhl
Wohnzimmer: Esstisch mit 4 Stühlen, Schreibtisch mit Stuhl, Sessel, Chaiselongue und eine Lampe
Diele: Vertiko, Kommode, Uhr, Plettbrett und Waschtopf
Küche: Schrank, Tisch mit 2 Stühlen, Lampe, Gardinen, Geschirr und Töpfe, Bügeleisen und Leiter
Keller: Körbe, alte Matratze, Bilderrahmen, alte Geschäftspapiere
Kleidung: Mantel, 2 Wollkleider, 3 Sommerkleider, 2 Röcke, 4 Blusen, Unterwäsche, Nachtwäsche, Strümpfe, 2 Paar Schuhe, eine Handtasche, 4 Halstücher
Wäsche: 2 Tischdecken, 6 Servietten, 6 Handtücher, einmal Bettwäsche, 2 Decken, 4 Kissen
Geld: 90,-RM


Das zuständige Amt bewertete viel später, am 8.1.1942, ihren Besitz mit 93,- RM und 90,- RM Bargeld.


Am 30. Oktober 1941, also vier Tage nachdem Frau Trier die Vermögenserklärung eingereicht hatte, bekam sie ein Antwortschreiben von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) mit dem Wortlaut, dass „das gesamte Vermögen der Martha Sara Trier zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen" worden war.
Dieses Schreiben wurde Frau Trier persönlich überreicht - da war sie schon in der Levetzowstraße 7/8 (Sammelstelle vor der Deportation) untergebracht. Zwei Tage später, am 1. November 1941, wurde sie deportiert.


Das Haus Vorbergstraße 3 gehörte damals der Hamburg-Mannheimer-Versicherungsgesellschaft, Meinekestraße 3. Hausverwalter war Heinrich Siebert, der bei Familie Fischer in der Vorbergstraße 3 wohnte.


Die Versicherungsgesellschaft schreibt am 29. November 1941 an das Finanzamt Moabit, dass die „Judenwohnung Nr. 687" von der Gestapo geräumt worden sei, dass noch kein neuer Mieter zugewiesen worden sei, dass deshalb das Finanzamt die Miete für November in der Höhe von 42,68 RM an die Versicherungsgesellschaft überweisen solle - was auch geschah.


Mit Datum vom 9. Februar 1942 - Frau Trier ist vermutlich längst tot - ist das Formular „Reparatur-Verpflichtung des evakuierten Juden" in der Akte. Es besagt, dass Frau Trier für die Kosten aufzukommen habe („Schönheits-reparaturen trägt der Mieter"). Die Wohnung war besichtigt und die Kosten für Instandsetzung und Desinfektion auf ca. 420,- RM festgesetzt worden. Da das Vermögen von Frau Trier aufgebraucht sei, sollten das Deutsche Reich und der Hauseigentümer anteilig die restlichen Kosten tragen.


Die Bewag forderte am 30. April 1942 noch 15,84 RM nach. Dies wurde in einem Antwortschreiben zugesagt.


Die Gasag forderte am 15. Oktober 1942 noch 0,80 RM nach, was schriftlich abgewiesen wurde.

Die Aktenblätter stammen aus mehreren Ämtern und Verwaltungsabteilungen; sie sind jeweils von anderen Angestellten unterschrieben worden - es waren also etliche Menschen mit der Deportation von Martha Trier befasst.

 

Neu im Blog

Bau-News 1: Bauarbeiten Innenhof

Nachdem unser Haus schon mit Mäuerchen (inklusive edlen Massivkugeln) und Styropor-Portal verschönert wurde, wird seit gestern der Innenhof auf Vordermann gebracht. Es gab weder eine Baus... Fahrradarbeiten_1_mini

mehr >>