zeo2 - das Umweltmagazin

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zeo2 - das Umweltmagazin

ZEO2 ist ein politisches Umweltmagazin. Mit fundiertem Journalismus klären wir auf und befeuern die Debatte durch eine klare Haltung. Im Mittelpunkt stehen die Klima-, Energie- und Verkehrspolitik, die Endlichkeit von Ressourcen und Biosphäre, das Jahrhundert-Thema Nachhaltigkeit, aber auch die individuellen Lebensstile der Menschen. D... mehr »

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Mariannenstr. 9-10
10999
Berlin
08.10.2012, 17:44 Uhr

urban farming - die Neuerfindung der Autostadt

Detroit gilt als die ärmste und gefährlichste Großstadt der USA - Die Arbeitslosigkeit ist hoch, jeder Zweite kommt ohne staatliche Lebensmittelmarken nicht über die Runden. Doch das, was man an Nahrungsmitteln dagegen eintauschen kann, ist oft Müll. Immer mehr Detroiter bauen deshalb nun ihr eigenes Obst und Gemüse an - gemeinschaftlich, profitfrei und mit zornigem Stolz.

Wäre Detroit ein Mensch, so liefe der in ausgebeulten Hosen herum, im Kapuzenpulli, mit schweren Schuhen, gerunzelter Stirn und öfters mal mit knurrendem Magen. Früher wurden hier überproportional viele Autos gebaut - heute werden hier überproportional viele Menschen erschossen. Die Arbeitslosenquote liegt bei um die 30 Prozent, jeder Dritte kann nicht richtig lesen oder schreiben. »Shithole« schimpfen manche Bewohner ihre Stadt.

Einst lebten zwei Millionen Menschen in Detroit. Heute sind es nur noch knapp über 700.000. Wer es sich leisten kann, zieht weg. Rund 80.000 Gebäude stehen leer, nicht nur Fabrikanlagen, sondern auch endlose Reihen bescheidener Holzhäuser - die einst kreditfinanzierten,
inzwischen mutlos aufgegebenen Eigenheimparadiese der verarmten Mechaniker-Mittelklasse.

Hälfte der Einwohner ist auf staatliche Lebensmittelgutscheine
angewiesen. Doch ohne eigenes Auto kommt man in der riesigen Stadt, die mit ihren Highways einst als Showroom für die Automobilindustrie dienen sollte,

kaum vom Fleck. Und so sind die Ärmsten der Armen von den prächtigen Shopping-Malls im Umland abgeschnitten - und müssen ihre food stamps an Tankstellen und in liquor stores gegen schrilles Billig-Essen - trash food - tauschen.
Darum ist »Ernährung« in Detroit auch eine politische Frage - und nicht nur die Sonnenblume, sondern auch das Fahrrad werden dort zu Symbolen des Widerstands. Darüber sprechen die wütenden, stolzen Detroiter viel lieber als über die allzu oft lüstern abfotografierten Ruinen ihrer Stadt. Wenn man ihnen aufmerksam zuhört, erfährt man, wie aus Solidarität und Stolz in der
zerbröckelnden Motorcity eine neue Utopie des Zusammenlebens erwächst.

(...)

Inzwischen sind Hunderte oder Tausende von Mini-Farmen entstanden. Zusammen produzieren die freien Farmer jährlich etwa 170 Tonnen Lebensmittel. The Greening of Detroit oder The Agricultural Network heißen die übergeordneten Initiativen und Netzwerke.

 

Den vollständigen Artikel finden sie in der neuen zeo2 - das Umweltmagazin der taz

 

1 Kommentar
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Kommentar von Kevin R.
11.10.2012, 19:45 Uhr

Leider ist der Artikel nachlässig rauskopiert. Hinter "Mechaniker-Mittelklasse" fehlt ein ganzer Satz:

--Statt am Fließband verdienen viele Leute ihr Geld mit kaum entlohnten Tip-Jobs, bei denen sie nur vom Trinkgeld leben; mit Drogengeschäften oder Hundekämpfen. Knapp die Hälfte der Einwohner ist auf staatliche Lebensmittelgutscheine angewiesen.--

Gut, dass hier und in der zwozwei darüber berichtet wird. Ein bisschen komisch ist es aber schon, dass es wieder nur die lesen werden, die sich neben dem Bioessen auch noch eine gehobene Umweltzeitung leisten können.

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(Welche Partei sagt: Klar machen zum ändern?)