Erstmals wurde letztes Jahr im deutschsprachigen Raum seit über 25 Jahren zum Frauen*tag am 8. März gestreikt! In Berlin ist auf Druck queerfeministischer Bewegungen sogar ein Feiertag institutionalisiert worden. Und nicht erst seit der Corona-Pandemie-Krise organisiert sich Pflegepersonal, um für eine Aufwertung ihrer Berufe, Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen sowie höhere Löhne zu kämpfen.

Dies ist Ausdruck aktueller Kämpfe, die zeigen, dass feministische Ökonomiekritik nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch für den Alltag von Bedeutung sind. Warum wollten so viele Frauen* weltweit am 8. März streiken? Was sind ihre Forderungen? Wo gibt es Verbindungslinien zum Klimastreik? Und warum reicht es nicht, sonntäglich als Dank dem Pflegepersonal zu applaudieren oder Supermarktkassierer*innen Blumen zu überreichen?

Ökonomie, also die Wissenschaft von der Wirtschaft, geht auf den Begriff des "Oikos" zurück und verrät, was die kleinste Einheit einer jeden Ökonomie ist: der Haushalt. Denn das Essen muss gekocht, die Wäsche gewaschen, und die Tränen getrocknet werden, damit mensch am nächsten Tag wieder bereit ist für die Erwerbsarbeit, die Uni oder die Ausbildung. Daneben müssen die Kinder aufgezogen werden, um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Ohne diese so genannte Care- und Reproduktionsarbeit würde die Wirtschaft nicht funktionieren. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie-Krise zeigt sich der gesellschaftliche Wert von Care-Arbeit. Doch warum werden diesen Arbeiten immer noch so wenig Beachtung geschenkt, klein geredet und kaum bis gar nicht bezahlt? Ist es nur Zufall, dass sie traditionell wie auch heute noch mehrheitlich von Frauen geleistet wird? Und wenn es stimmt, dass Frauen heutzutage ja die gleichen Berufs- und Karrierechancen haben wie Männer und genauso "arbeiten gehen", wer putzt denn dann am Ende das Klo, wickelt das Kind und pflegt die Angehörigen? Wieder nur Zufall, dass es oft migrantische Frauen sind? Der so genannte "Normalzustand" ist Krise genug. Wie könnte es also anders gehen, so dass ein gutes Leben für wirklich alle möglich ist?

Diese und weitere Fragen wollen wir stellen und einen Blick auf aktuelle feministische Ökonomiekritik und ihre Utopien werfen. Ziel des Seminars ist es, gemeinsam inhaltlich zu diskutieren und sowohl Ideen für feministische Praxen für den Alltag der Teilnehmer*innen zu entwickeln als auch gesamtgesellschaftlich für die Errichtung alternativer Strukturen zu spinnen.

Mit Anna Stiede und Susan Truong

Das Seminar richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre. Um ausreichend Abstand halten zu können, ist das Seminar auf max. 12 Teilnehmer*innen begrenzt. Der Seminarraum wird regelmäßig gelüftet. Eine Unterbringung in einzelnen Zimmern ist möglich.

Der Teilnahmebeitrag versteht sich inkl. Übernachtung und Verpflegung.

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Zeitraum

05.06.2020, 17:30 Uhr - 07.06.2020, 15:30 Uhr

Adresse

Alte Feuerwache
Axel-Springer-Straße 40/41
10969
Berlin

Eingetragen von

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Aktionsform

Jugendseminar

Themenkategorien

Gender
Ökonomie / Finanzen

Website

https://programm.bildungswerk-boell.de/index.php?kathaupt=11&knr=20-0602&kursname=Feministische+OEkonomiekritik+-+von+unsichtbar+zu+systemrelevant&katid=0#inhalt

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