In Berlin sowie in vielen anderen Städten Deutschlands und Europas spielt sich ein ähnliches Phänomen ab: Wohn- und Gewerberäume werden knapp, Mieten steigen rasant, Häuser werden u.a. an anonyme Briefkastenfirmen oder Spekulant*innen verkauft. Mieter*innen, aber auch soziale, nicht kommerzielle Einrichtungen, wie z.B. Jugendzentren werden von ihren Standorten in den Innenstädten verdrängt. Wohin führt uns diese Entwicklung und was können wir dagegen unternehmen?

Diese Art der Verdrängung hat meist einen Mangel an sozialer Infrastruktur in den Stadtteilen zur Folge. Experimentelle Freiräume verschwinden, kommerzielle Einrichtungen wie Shoppingmalls breiten sich ungehindert aus. Die Räume in denen auch ohne viel Geld Gemeinschaft gelebt und gestaltet werden kann, werden immer weniger. Jugendliche, Rentner*innen, Menschen ohne Arbeit und prekär Beschäftigte sind am meisten von dieser Entwicklung betroffen. Doch auch gesamtgesellschaftlich sind soziale Orte wichtige Treffpunkte des gemeinschaftlichen, kommerzfreien Austausches.

An diesem Abend wollen wir uns mit zwei aktuell bedrohten Beispielen aus der Berliner Jugendkulturszene beschäftigen: Den beiden selbstverwalteten, nicht kommerziellen Jugendzentren Potse und Drugstore in Schöneberg. Der Drugstore gilt als das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins. Beide bieten kostenlose Konzerte und selbstbestimmte Freizeitgestaltung an. Damit soll ab dem 1.1.19 Schluss sein, die Mietverträge laufen zum 31.12.18 aus und wurden von Seiten des Vermieters nicht verlängert. Ein kommerzielles Coworking und -living space ist bereits in das Haus eingezogen und soll erweitert werden. Vermieter: Eine anonyme Briefkastenfirma. Was nun?

Wir wollen den Abend mit dem Film: „Das Gegenteil von Grau“ (2017) von Matthias Coers beginnen. Dieser handelt über den Versuch verschiedener Initiativen im Ruhrgebiet Freiräume in der Stadt für gemeinschaftliche Aktionen zurückzuerobern. Thema: Ob Filmabende in leer stehenden Gebäuden oder Refugeekitchen auf öffentlichen Plätzen, Gemeinde- und Jugendzentren in ehemaligen Gewerbeeinheiten oder ungenutzten Kirchen - Matthias Coers zeigt verschiedene Menschen, die sich öffentliche Räume für gemeinschaftliche, soziale Aktionen zurückerobern.

Im Anschluss wird der Regisseur selbst etwas zu den Hintergründen des Films sagen, um dann in die Diskussion mit den Podiumsgästen von den Jugendzentren Potse und Drugstore und Lothar Kubig zu gehen.

Matthias Coers lebt als Filmemacher und Fotograf in Berlin. Der ausgebildete Soziologe versteht sich als kritischer Medienarbeiter. Nach den Dokumentar- und Kinofilmen MIETREBELLEN und DAS GEGENTEIL VON GRAU hatte jüngst der Kurzfilm DYSTOPOLIE Premiere. Er veranstaltet Workshops und audiovisuelle Lesungen zu stadtpolitischen Themen. Für das Berliner MieterEcho betreut er die Bildredaktion. Im Vorjahr wurde seine Ausstellung WOHNEN STADT SOLIDARITÄT im Bildungswerk gezeigt. Aktuell bis zum 13.12.18 zeigt das Bildungswerk die neue Ausstellung von Matthias Coers: mitten drin draußen - Ohne Obdach in der Stadt.
www.zweischritte.berlin

Die Veranstaltung wird vom Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit den freien Jugendzentren Drugstore und Potse und im Rahmen von "Shared Spaces - Europäische Dialoge über öffentliche Räume", ein gemeinsames Projekt des Heinrich Böll Stiftungsverbundes durchgeführt.

Für weitere Infos und Wünschen zur barrierefreien Teilnahme wenden Sie sich bitte an: Tanya Lazova, lazova@bildungswerk-boell.de

Zeitraum

02.12.2018, 18:30 Uhr - 02.12.2018, 21:30 Uhr

Adresse

Jugenzentrum Drugstore
Potsdamer Straße 180, 2. OG
10783
Berlin

Eingetragen von

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Aktionsform

Film und Gespräch

Themenkategorien

Soziales / Arbeit
Freiräume / Subkultur

Website

https://programm.bildungswerk-boell.de/index.php?kathaupt=11&knr=18-8012

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