Sozialdemokrat*innen und ein grüner Bezirksbürgermeister vertreiben einkommensarme Menschen.


In Berlin ertönt bezirksübergreifend der Ruf nach Ordnung auf des Bürgers Grünflächen und Plätzen. Das rot-grüne Bündnis der wohlsituierten Ökospießer hat sich zum Ziel gesetzt, die Innenstädte in revanchistischer Manier von den Unproduktiven zu säubern. Die diversen Räumungen von Übernachtungsmöglichkeiten in der letzten Zeit, ob im Tiergarten oder vor dem Berghain machen deutlich: Die Armen dieser Gesellschaft sollen aus unseren Parks, unseren Vierteln und nach durchfeierten Nächten auf dem Weg nach ins geruhsame Bett aus unseremSichtfeld verschwinden. Bei der Aufwertung der Stadt stören als unverwertbar geltende Bevölkerungsgruppen nur das Bild einer hübschen, sauberen und geordneten Innenstadt.

Die Forderung von Franziska Giffey, Bezirksbürgermeisterin von Neukölln (SPD) und Stephan von Dassel, grüner Bezirksbürgermeister aus dem Bezirk Mitte, endlich die Armen aus der Öffentlichkeit zu entfernen1 ist insofern nur die staatliche Antwort auf den weite Verbreitung von Sozialdarwinismus in der bundesdeutschen Gesellschaft. Das Bündnis aus Anwohner*innen des Hansaviertels und dem örtlichen SPD-Abgeordneten Thomas Isenberg, das sich im letzten Jahr formierte, um gegen obdachlose Menschen und die Berliner Obdachlosenhilfe e.V. vorzugehen, ist ein weiteres, gefährliches Beispiel. Dabei sind die Gründe für Wohnungs- und Obdachlosigkeit, sowie für Einkommensarmut strukturell und von dieser Gesellschaft gemacht. Schließlich zwingen steigende Mieten und extrem prekäre Beschäftigung immer mehr Menschen in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit.

Wer heute zwangsgeräumt wird hat kaum Möglichkeiten aufgrund von Wohnungsnot und Mietenwahnsinn eine Ausweichwohnung zu finden. Das geschützte Marktsegment - der letzte Anker vor der Straße - liegt brach. Gleichzeitig erinnern uns die Armen der Öffentlichkeit daran, dass etwa auf den zahlreichen Baustellen dieser Stadt, Menschen zu Hungerlöhnen schuften müssen oder – wie im Fall der Mall of Shame – gar nicht bezahlt werden. Häufig bleibt den ausgebeuteten Arbeiter*innen nur die Platte oder ein Bett in der Kältenothilfe.

Lucius Teidelbaum untersucht in seinem Buch „Sozialdarwinismus und Obdachlosenhass“ die Ursachen für die Abwertung und Gewalt gegen obdachlose Menschen. Dabei lenkt er den Blick auf die kapitalistische Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft in der Menschen nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit eingeteilt und hierarchisiert werden.

Die FAU Berlin und die Berliner MieterGemeinschaft wollen mit einer gemeinsamen Veranstaltung die gesellschaftliche Verankerung von Sozialdarwinismus und deren Zusammenhang mit der aktuellen Räumungs- und Vertreibungspolitik von einkommensarmen Menschen diskutieren. Eingeladen haben sie dazu Lucius Teidelbaum, Journalist, Historiker und Betreiber des Blogs http://berberinfo.blogsport.de/ und die Berliner Obdachlosenhilfe e.V.

 Veranstalter_innen: FAU Berlin, Berliner Mietergemeinschaft (Ortsgruppe Wedding)





Zeitraum

15.12.2017, 19:00 Uhr - 15.12.2017, 22:30 Uhr

Adresse

FAU-Lokal
Grünthaler Str. 24
13357
Berlin

Eingetragen von

FAU Berlin

Aktionsform

-

Themenkategorien

Antifaschismus
Soziales / Arbeit
Verkehr / Stadtentwicklung
Freiräume / Subkultur
Politik / Demokratie / Recht

Website

https://berlin.fau.org/termine/obdachlosenhass-und-sozialdarwinismus

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