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„Betrojerinki“ ist ein merkwürdiges Wort. Erst wenn man es ausspricht, merkt man, dass es Deutsch und Polnisch zugleich ist. „Betrojerinki“ ist der passende Titel für Anna Wiatrs Reportage-Buch. 

Die Soziologin, die sich auf Biografieforschung spezialisiert hat, traf polnische Frauen, die in deutschen Häusern leben, um Alte und Kranke zu pflegen. Sie hat dabei gelernt: „Um eine polnische Pflegerin in Deutschland zu werden, braucht man keine Qualifikationen. Man muss einfach nur loslegen. Was man in Deutschland braucht, sind Geduld, die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, und ein Laptop mit Skype. Nach zwei Monaten kann man dann um die 10.000 Złoty mit nach Hause nehmen und – vielleicht – die Frage, was einen noch in Polen hält.“ 

Es gibt Betreuerinnen, die sieben Tage die Woche, 22 Stunden am Tag für alte kranke Menschen auf Abruf stehen müssen. Der Klappentext des Buchs betont dabei den innerpolnischen Aspekt: „'Betrojerinki' ist nicht bloß eine Geschichte über die Arbeit, die Tausende Polinnen im Auftrag ihrer westlichen Nachbarn verrichten, sondern auch eine Geschichte über den polnischen Staat, der ihnen kein Leben in Würde garantieren kann.“ 

Beim fünften und letzten Teil der Reihe Transformacja wird Anna Wiatr auf die Filmemacherin Christiane Büchner treffen. Sie hat in ihrem Film „Family Business“ gezeigt, wie durch ökonomische Notwendigkeiten eine intime, aber auch konfliktreiche Verbindung zwischen fremden Menschen und zwei sehr unterschiedlichen Familien und ihren Geschichten entsteht: Jowita aus Lubin betreut Anne aus Bochum. Annes Töchter können die demente Mutter nicht pflegen. 

Christiane Büchner hat die Geschichte ihres Films so umschrieben: „Wer als Kind in der Familie eines Freundes zu Gast war, mag sich vielleicht an die Intensität der Wahrnehmung von Kleinigkeiten erinnern, die so anders waren als in der eigenen Familie. 

In diese gewachsenen Normalitäten bricht nun in dieser Situation die Wirtschaftlichkeit fühlbar ein. Anne und Jowita treffen aufeinender. Für Jowita ist Annes Wohnung ein Arbeitsplatz. Für Anne ist Jowita mal eine Art Gast, mal eine Hausangestellte. Ihre Rolle ist für sie verwirrend.“ 

 Neben allen Interessierten begrüßen wir: 

Anna Wiatr, in ihrer Dissertation „Identität und Sterben im Polen der Spätmoderne“ verarbeitete sie Gespräche mit HospizpatientInnen und BewohnerInnen von staatlichen Altenpflegeheimen. 

 • Christiane Büchner, die Filmemacherin hat sich in „Family Business“ das Leben von Anne aus Bochum und Jowita aus Lubin angesehen. 

 • Moderation: Ulrich Gutmair, taz-Kulturredakteur

Zeitraum

08.12.2017, 19:00 Uhr - 08.12.2017

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Politik / Demokratie / Recht

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